Schandmaul - Leuchtfeuer - Cover
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Schandmaul Leuchtfeuer


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 47 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
3.7/10 Leserwertung Stimme ab!

18 Jahre Schandmaul und kein bisschen leise, auch wenn „Leuchtfeuer“ heuer nur ein solides, aber nicht überragendes Album geworden ist.

2½ Jahre nach dem mit Gold für mehr als 100.000 verkaufte Einheiten ausgezeichneten „Unendlich“-Album (01/2014) melden sich die bayerischen Folk-Rocker von Schandmaul mit ihrem neuesten Streich namens „Leuchtfeuer“ zurück und bleiben damit der Tradition treu, dass die Titel ihrer Studioalben seit Jahren lediglich aus nur einem Wort bestehen. In ihrer 18-jährigen Geschichte hat es die aktuell sechsköpfige Band aus Gröbenzell in der Nähe von München inzwischen zum Major-Act gebracht und sich von der Mittelalter-Musik-Szene emanzipiert und in den Mainstream-Markt hineinentwickelt.

Auf ihrem mittlerweile neunten Studiowerk haben sich Schandmaul den Luxus gegönnt, Trällerelse Tarja Turunen (Ex-Nightwish) für den Song „Zu zweit allein“ als Gast zu verpflichten. Das bringt Publicity und vielleicht auch einen Crossover-Effekt, wenn die Fans der Finnin auf diese Weise auf den poppigen (Mittelalter-)Folk-Rock der Bayern aufmerksam gemacht werden. Für die Ballade hat sich Madame Turunen den deutschen Text von Martin „Ducky“ Duckstein draufgeschafft, den sie in typischer Drama-Queen-Manier tatsächlich auch in deutscher Sprache wiedergibt. Spektakulärer wirkt der doch recht biedere Song dadurch allerdings nicht.

Und überhaupt: Aufsehenerregendes sucht der Hörer auch in den übrigen Songs meist vergebens. Schandmaul agieren auf „Leuchtfeuer“ zwar gewohnt solide und inhaltlich ausufernd, aber ohne den Hörer mit irgendwelchen Details zu überraschen. Es werden Geschichten von „Tark Evers“, „Jack O’Lantern“, „Johanna von Orléans“ und der „Loreley“ erzählt, die in die zu erwartenden Balladen, Sauflieder und Irish-Folk-Songs verpackt wurden. An diesen gibt es handwerklich nichts zu rütteln, auch wenn die Erwartungshaltung insgesamt eine höhere ist.

So muss „Leuchtfeuer“ mit lediglich einem Highlight auskommen. Doch dieses hat es in sich. In der Pianoballade „Tjark Evers“ erzählt Texter Thomas Lindner die wahre Geschichte von Tjark Ulrich Honken Evers, der am 23. Dezember 1866 im Nebel über dem Wattenmeer zwischen Langeoog und Baltrum auf einer Sandbank starb, auf der er versehentlich ausgesetzt wurde, aber vorher noch einen Abschiedsbrief an seine Familie schrieb, den er in einer Zigarrenkiste deponierte, die am 3. Januar 1867 an der Insel Wangerooge angetrieben wurde. An diese Tiefe und Dramatik reichen die anderen Stücke leider nicht heran, sodass „Leuchtfeuer“ heuer nur ein solides, aber nicht überragendes Album geworden ist.

Anspieltipps:

  • Zeit
  • Tjark Evers
  • An deiner Seite
  • Heute bin ich König
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