Casper - Lang Lebe Der Tod - Cover
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Casper Lang Lebe Der Tod


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
8.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Unbequeme Musik für unbequeme Zeiten. Der Erneuerer des Deutsch-Rap hat sich viel Zeit gelassen, um das „Hinterland“ zu verlassen und den Tod zu umarmen.

Im Juni 2016 wurde bekanntgegeben, dass Rap-Senkrechtstarter Benjamin Griffey alias Casper sein neues Album namens „Lang lebe der Tod“ am 23. September 2016 auf den Markt bringen will. Als Appetizer wurde der Titelsong mit den Feature-Gästen Blixa Bargeld, Dagobert und Sizarr als Stream veröffentlicht und eine Tour angekündigt. Allerdings erntete der neue Song bei den Hörern ein gemischtes Echo und auch Casper (34) schien sich seiner Sache längst nicht sicher zu sein. Trotz des heranrückenden VÖ-Termins passierte im Casper-Lager nichts, dass die Öffentlichkeit auf das „Lang lebe der Tod“-Album vorbereitete.

Und so kam es, wie es kommen musste: Im August 2016 wurde zuerst das Album auf unbestimmte Zeit verschoben und Ende November die anstehende Tournee auf Herbst 2017 verschoben. Ohne die neuen Songs im Gepäck, wollte Casper nicht auf Tour gehen. Und das Album war einfach noch nicht so, wie es sein sollte. Es fehlte noch etwas Arbeit und ein bisschen Liebe. Am Ende verzögerte sich die Veröffentlichung von „Lang lebe der Tod“ um fast genau ein Jahr, mit dem Ergebnis, dass das Werk wie keiner seiner vier Studio-Vorgänger klingt.

All das lässt erahnen, dass das zusammen mit „Hinterland“-Produzent Markus Ganter (Muso, Tocotronic, Drangsal) entstandene Album ein inhaltlich wie auch musikalisch schwerer Brocken sein würde, an dem ungewöhnlich lange herumgedoktert wurde, was selten ein gutes Zeichen ist. Doch inzwischen ist auch klar, dass Casper während der Produktionszeit unter Depressionen litt, was eine laienhafte Erklärung für den düsteren Sound und die persönlichen Texte („Deborah“) des Albums sein könnte. So hören wir u.a. pochende Industrial-Klänge („Lang lebe der Tod“, „Siren“), pulsierende HipHop-Beats („Alles ist erleuchtet“), flirrende Gitarren („Keine Angst“, „Flackern, flimmern.“) und peitschenden Indie-Rock („Wo die wilden Maden graben“).

Und das soll noch ein HipHop/Rap-Album sein? Eher nicht! Denn Casper deutet seinen stilistischen Horizont im CinemaScope-Stil äußerst breitflächig und lässt sich kaum auf ein Genre festlegen. Davon zeugen so unterschiedliche Feature-Gäste wie Portugal. The Man, Drangsal und Ahzumjot genauso, wie der sehr präsente Gitarrensound plus Texte, die fast schon in Singer/Songwriter-Manier daherkommen. So bleibt es durchgehend spannend, wenn Casper seine Geschichten aus dem Leben erzählt, auch wenn diese ab und zu in etwas anstrengende Töne verpackt sind.

Anspieltipps:

  • Sirenen
  • Meine Kündigung
  • Alles ist erleuchtet
  • Flackern, flimmern.
  • Wo die wilden Maden graben
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