Einhorn - Galactica - Cover
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Einhorn Galactica


  • Label: Las Vegas Records
  • Laufzeit: 43 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Das mit dem Singen und Texten üben wir nochmal, Leute!

Austro-Pop ist einer der Trend-Begriffe im deutschen Indie-Bereich, böse Zungen sprechen auch von Hipster-Mukke. Wanda und Bilderbuch werden am liebsten genannt, aber auch eine Stufe darunter tummeln sich Musiker, die mehr als Trittbrettfahrer zu sein versuchen. Gelingen kann das nicht immer und Einhorn sind ein Beispiel dafür, dass lässiges Auftreten allein nicht alles ist. Die Synthie-Töne erreichen im Bestfall ein Niveau, welches für B-Seiten von Daft Punks „Random Access Memories“ ausreicht. Für ein eigenständiges Album ist das selbstverständlich zu wenig.

Vielleicht kann der innere Nerd die nostalgischen Synthie-Sounds der Band retten, wenn die Österreicher von „Tuxedo Mask“ (aus der Anime-Serie „Sailor Moon“), der Videospiel-Ikone „Lara Croft“ und der Space-Opera „Battlestar Galactica“ singen. Leider werden die Otakus, Nerds und Geeks selbst am meisten zu meckern haben, weil die Special Interest-Themen nur oberflächlich angeschnitten werden. „Tuxedo Mask“ funktioniert als einer der stärkeren Tracks des Albums sogar besser, wenn Hörer den Titel nicht verstehen und den Song anspruchslos als einfache Tanz-Liebes-Nummer hinnehmen.

Neben einigen grundsoliden Melodien gibt es natürlich auch viel Plastik-Pop, der zwanghaft ironisch cool sein möchte. Das lässt Markus’ „Ich Will Spaß“ modern wirken, wie sich beispielsweise ein „Das Lied Das Sonst Keiner Kennt“ gibt, und allein Modern Talking werden die unverständlichen Liebesbekundungen in „Stay“ und „Still“ unterstützen. Überhaupt verirren sich die Lyrics oftmals in möglichst ausweichenden Beschreibungen, die einen verbalen Hauch von Nichts darstellen. Die meisten Hörer werden das allerdings gar nicht erst registrieren, da Einhorn die Zähne nicht richtig auseinander bekommen. Wer sich während „Still“ nicht konzentriert hinsetzt und auf hochqualitative Boxen setzt, wird viele Worte nicht verstehen können. Für einen Lacher und den nötigen Beweis muss nur „Thron“ eingeschaltet werden. Wer Taylor Swift wie im Track ausspricht, schreibe bitte der Redaktion.

„Galactica“ nuschelt sich durch vergesslichen Pop in „Schwimmen“, verfehlt den Reiz von Disco-Sounds in „Battlestar Galactica“ und malt altmodisch zurückgebliebene Bilder von Nerds in „Lara Croft“. Vom Hipster-Gehabe in „Schöner Als Berlin“ bekommen die wenigsten noch etwas mit, da Einhorn wenige Gründe geben, um sich mit den Inhalten auseinanderzusetzen. Ein knorkes „Tuxedo Mask“ abzüglich der Themenverfehlung und einer unfreiwilligen Anspielung auf Vorlieben beim Sex ist für ein gelungenes Album nicht genug. Da hilft nicht einmal mehr die Macht des Mondes.

Anspieltipps:

  • Tuxedo Mask
  • Thron
  • Sonnenbrille

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