The Dead South - Illusion & Doubt - Cover
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The Dead South Illusion & Doubt


  • Label: Devilduck/INDIGO
  • Laufzeit: 46 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Dieser Country & Folk aus Kanada ist (k)eine Stimme für den Süden.

The Dead South lieben Folk. Sie lieben ihn in jeder Form. Gypsie, Country und was es sonst noch gibt, ist bei dem kanadischen Quartett angesagt. Auf ihrem Album „Illusion & Doubt“ zeigt sich ziemlich schnell, dass die Männer gerne von allem etwas reichen, aber nirgendwo ihre künstlerischen Muskeln spielen lassen. Tatsächlich hinterlässt dieses Album viele Zweifel. Der Gesang passt nicht immer, die Country-Ausreißer brechen vollends mit der Stimmung des Albums und am Ende kapituliert die Band vor ihrer Liebe zum Banjo.

„Boots“ und „Every Man Needs A Chew“ eröffnen das Album mit rabiatem Tempo. Der etwas schwache Gesang fällt erst einmal gar nicht so ins Gewicht, da Hörer zu sehr damit beschäftigt sind, das schnelle Tempo und Anleihen im Gypsie-Folk zu verarbeiten. Und bevor das Hirn doch zu rattern anfängt, knallt die Band den Hörern mit „Dead Man’s Isle“ einen waschechten Country-Song vor den Latz. Der Gesang mit dem gefühlten Jodler in der Stimme bricht komplett mit dem Stil des Albums. Die Band macht in „Smoochin’ In The Ditch“ so weiter, als wäre nichts passiert. Stil und Tempo versuchen sich wieder dem Auftakt anzupassen und die hauchende Stimme ist wieder da. Alles wieder gut. Abgesehen davon, dass The Dead South bei aller Geschwindigkeit ihre Songstrukturen früh zu wiederholen anfangen.

Selbst der langsam angestimmte „One-Armed Man“ rattert den schnellen Stampfer runter, der zu hibbelig für einen Johnny Cash und nicht melodisch genug zum Mittanzen ist. Wer sich lediglich zu einem schnellen Folk-Ton auf die Tanzfläche stürzen möchte, dem wird der authentische Klang wahrscheinlich reichen. Sobald das Tempo außen vor bleibt oder Hörer sich mit den Texten auseinandersetzen, ist die Freude schnell vorbei. Auf „Illusion & Doubts“ bleibt nicht viel zum Mitsingen und wenn doch, muss automatisch das Tempo gedrosselt werden („The Good Lord“). Die vier Kanadier fühlen sich mit nervösem Kammer-Folk am wohlsten und versuchen die Glieder durch schnelles Spiel in Bewegung zu bringen. „Miss Mary“, „Time For Crawlin’“ und „Hard Day“ recyclen das Rezept der ersten Hälfte und wer nach dem ersten Hördurchgang die Titel unterscheiden kann, dem gebührt Respekt.

Bei The Dead South ist aber nicht alles schlecht. Gerade Country-Fans werden mit Songs wie „Time For Crawlin’“ und „Hard Day“ solide auf ihre Kosten kommen. Banjo und Mandoline sorgen für einen schönen Schliff und geben den sehr schlichten Alltagsgeschichten um Liebe und Alkohol genug Individualität. Die Probleme der Mittelmäßigkeit lassen sich dann im viel zu langen Closer „Gunslinger’s Glory“ gut zusammenfassen. Da reizt die Band eine Melodie aus, die sich gut fünf Minuten früher hätte verabschieden können. Ganz nett anzuhören, aber ohne echten Höhepunkt endet ein Album, das in dieser Form keine Dreiviertelstunde lang sein muss. Das Grundgerüst selbst ist nicht stark genug, um ohne mehr Facetten auszukommen. Gesang, Arrangements und das Gespür für Melodien sind stets im Mittelmaß anzusiedeln und lassen Momente vermissen, die Hörer unmissverständlich aus den Stühlen reißen.

Anspieltipps:

  • Every Man Needs A Chew
  • Time For Crawlin’
  • Hard Day
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