zZz - Juggernaut - Cover
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zZz Juggernaut


  • Label: Excelsior Records
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

zZz wären gerne eine klasse Prog-Rock-Band. Ihre Stärken liegen jedoch an anderer Stelle.

„Juggernaut“ ist eines dieser gespaltenen Alben, die von zwei komplett unterschiedlichen Bands geschrieben wurden. Zumindest erweckt das Album diesen Anschein. zZz aus den Niederlanden ergießen sich eine gute Viertelstunde in Wave-Rock, als wäre Billy Idols Karriere wieder auf dem Höhepunkt. Diese zehn Minuten sind auch der Höhepunkt dieser Scheibe. Danach landen wir verschwitzt zwischen Shoegaze und Punk, was in energiegeladenen, aber kaum einprägsamen Nummern endet. Doch „Juggernaut“ muss mit dem Titeltrack von hinten aufgerollt werden, um ein wahrliches Rock-Chaos zu verstehen.

„Juggernaut“, der Song, möchte alles sein. Progressiv, psychedelisch und das Ganze mit einer Mischung aus Space- und Krautrock garniert. Damit alles seinen Platz findet, braucht die Band 20 Minuten, um allein diesen Closer nach Hause zu bringen. Und es ist das Warten leider in keinster Weise wert. „Juggernaut“ ist kein Schaulaufen, sondern eine Fortsetzung dessen, was sich in „Doze“ und „Red Beat“ andeutet. Weitläufige Soundscapes, die kein Ziel kennen und allein durch die hypnotische Kraft ihres Klangs begeistern wollen. Leider ist dieses Vorhaben steril geraten und reißt ein ganzes Album ins Mittelmaß, das durchaus Potenzial zu mehr gezeigt hat.

Gleich zu Beginn in „Blood“ zeigen die Niederländer, dass sie Elemente aus dem Progressive Rock dem Wave fantastisch unterzuordnen verstehen. Im Lo-Fi-Garage-Soundgewand prügelt die Band einen im Grunde sehr melodischen und ruhigen Track durch die Manege und erzeugt damit genau den hypnotischen Effekt, den der Titeltrack nicht heraufzubeschwören vermag. Bei „Blood“ möchte jeder auf die Tanzfläche stürmen und das bleibt bis zu „Dead End“ auch so. „Wild Girl“ scheint direkt das Mädchen aus Idols „Rebel Yell“ zu besingen und „When I Come Home“ nimmt dazu noch eine Spur Depeche Mode mit auf. „Juggernaut“, das Album, ist bis zu diesem Punkt ein feuchter Traum aller Wave-Fans.

Begeisterte Hörer werden dem Album nachsehen, dass „My Girl“ etwas uninspirierter Shoegaze ist und selbst die passend betitelte Einschlafhymne „Doze“ ist zu überhören. Und weil wir dermaßen begeistert von der ersten Hälfte des Albums sind, nehmen wir „Red Beat“ als orientalisch angehauchte Instrumental-Nummer an und verbuchen das für die Band unter „künstlerische Freiheit“. Über die gut zwanzig Minuten Mittelmaß danach lässt sich jedoch nur schwer hinwegsehen, weswegen zZz mit diesem Album keine Bäume ausreißen.

Anspieltipps:

  • Blood
  • Wild Girl
  • When I Come Home

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