Glass Animals - How To Be A Human Being - Cover
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Glass Animals How To Be A Human Being


  • Label: Caroline/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 43 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Vom Dschungel in die Zivilisation: Selbstfindung und Rückschritt.

Die ersten Scheiben von Glass Animals übten ihren ganz eigenen Reiz aus. Prägend war der einerseits drückende, andererseits filigrane Sound, der übersteigerte Tropenfantasien aus Kinderbüchern und Kolonialliteratur kunstvoll in dichten Texturen manifestierte. Das Konzept, als solches muss man das Ganze angesichts der neuen Platte nun erkennen, entfaltete sich auf dem Debüt „Zaba“ schließlich vollends. Mit „How To Be A Human Being“ wendet sich die Band um Sänger David Bayley neuen Inspirationen zu.

Nach dem Erfolg des Debüts ging es aus dem kleinen Studio in einem Waldstück bei Oxford in die Welt hinaus. Aus den Begegnungen mit anderen Menschen, die Bayley heimlich aufnahm, spann dieser zunächst fiktive Persönlichkeiten und daraus die inspirierende Basis des Albums. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Glass Animals auf dem Weg einiges an Exotik und Originalität eingebüßt haben.

Die vielen verfremdeten Field Recordings, die das Dickicht auf „Zaba“ primär ausgemacht haben, sind durch sehr erkennbare Aufnahmen urbaner Umgebungen ersetzt worden - die dichten Texturen und Stimmungen ersetzt durch eingängige Melodien und strukturelle Klarheit, als seien Glass Animals aus dem Dschungel in die von Regeln bestimmte Zivilisation getreten. Tatsächlich hatte die Band mit Bezug auf das 2014er Debüt oft gesagt, sie hätten sich viele Gedanken über ihre Außendarstellung gemacht und deshalb ein sehr scheues erstes Album geschaffen.

„How To Be A Human Being“ darf man vor dem Hintergrund sicherlich auch als Emanzipation von solchen Hemmungen verstehen. Glass Animals werfen also ihre introspektive Hülle ab und orientieren sich gen Pop und HipHop; Gefilde, die für sie freilich kein Neuland sind. Der aufbrausende Beat in „The Other Side Of Paradise“ oder das Red Hot Chili Peppers-Tribut-Riff in „Poplar St“ sind aber Zugeständnisse an größere Bühnen, die die Band neuerdings bespielt. Alle Assoziationen, die Glass Animals zuvor zum Regenwald weckten, beiseite, ist es dementsprechend auch kein Wunder, wenn sie im Refrain des ersten Tracks Jungle, den Aufsteigern aus der Parallelklasse, sehr ähneln.

Für die neue Rezeptionssituation mag das vorteilhaft sein, für die Musik fühlt es sich wie ein Rückschritt an. Denn vorbei ist die Intimität, die filigrane Produktion zugunsten der Eingängigkeit und dominanterer Beats fallengelassen. Der Dschungel lichtet sich und plötzlich gibt es weniger zu entdecken.

Anspieltipps:

  • Youth
  • Mama’s Gun
  • The Other Side Of Paradise

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