Metallica - Hardwired...To Self-Destruct - Cover
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Metallica Hardwired...To Self-Destruct


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 78 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
8.8/10 Leserwertung Stimme ab!

„Hardwired… To Self-Destruct“ - ein Doppelalbum, das auch auf eine CD gepasst hätte. Das steht sinnbildlich für das Selbstverständnis von Metallica und dem Überangebot an verbauten Riffs.

Fast fünf Jahre nach der „Beyond Magnetic“-EP (01/2012), acht Jahre nach dem „Death Magnetic“-Album (09/2008) und 13 Jahre nach dem „St. Anger“-Album (06/2003) kehren Metallica in diesem Herbst mit ihrem elften Studioalbum „Hardwired… To Self-Destruct“ zurück. Darauf haben sich weite Teile der Metal-Welt gefreut. Doch egal wie groß das Unternehmen Metallica inzwischen auch sein mag: Die Zeitspannen zwischen ihren Alben ist einfach indiskutabel geworden und steht kurz davor, denselben Hohn und Spott zu ernten wie „Chinese Democracy“ von Guns ‘N Roses.

Der Unterschied zu den Gunners: Metallica waren in all der Zeit nie weg vom Fenster, da es immer irgendein Land gibt, das die Herren aus San Francisco mit einer Tournee oder einem Festivalauftritt beglücken können – und wenn es nur ein Einzelkonzert mitten in der Antarktis ist: Metallica sind stets zu Diensten und machen sich auf diese Weise die Taschen voll. Müssen sie auch. Denn ihr Apparat ist teuer und muss auch millionenschwere Schnapsideen wie den 3D-Kinofilm „Through The Never“ (09/2013) verkraften können. Zwischendurch kümmern sich die Herren Ulrich, Hetfield, Trujillo und Hammett dann wieder ein bisschen um neue Musik.

In diesem Zusammenhang wird sich der geneigte Fan bestimmt langsam mal fragen, ob Metallica tatsächlich noch der richtigen bzw. einer zeitgemäßen Arbeitsweise nachgehen, wenn sie jahrelang tonnenweise Riff-Fragmente sammeln, aus denen sie irgendwann in ewigen Sessions ein dickes Bündel überlanger Songs zusammenstricken. Überlang deshalb, weil vermutlich so viele Ideen wie möglich untergebracht werden sollen. Dabei ist eher eine Mischung aus knackigen Songs und epischen Longtracks, die den richtigen Flow eines Albums ausmachen. Doch sei’s drum. 1½ Jahre werkelten Metallica im Studio an „Hardwired… To Self-Destruct“ herum. Im Prinzip viel zu lang, um den Blick auf das Wesentliche nicht zu verlieren.

Bleibt die Hoffnung, dass der neue Stammproduzent und Toningenieur Greg Fieldman (Slipknot, Red Hot Chili Peppers, Slayer, Audioslave) den Überblick behalten und den Fokus auf Material und einen Sound gelegt hat, die an alte Zeiten heranreichen. Eine höhere Messlatte als bei Metallica gibt es im Heavy Metal schließlich kaum noch. Und siehe da: Drummer Lars Ulrich begrüßt die Hörer im Opener „Hardwired“ mit einem knatternden Alu-Stick- und Double-Bass-Gewitter, das endgültig das Geschepper der vorherigen Alben abgelegt hat, das bei Puristen für Ohrenbluten gesorgt hat.

Dennoch ist der Drumsound in einigen Stücken wie etwa „Confusion“, „Now that we’re dead“ oder auch „Dream no more“ wieder etwas, sagen wir mal, ungewöhnlich geraten: Zwar druckvoll, aber auch synthetisch. Dafür ist der Rest der Rhythmusabteilung heuer auf den Punkt am Ball, selbst wenn sich in die Kompositionen das eine oder andere musikalische Selbstzitat eingeschlichen hat. Egal. Nach 35 Jahren im Business bleibt sowas eben nicht aus. Und wer mag, kann sich die einzelnen Querverweise ja gerne zusammenpuzzeln. Fakt ist, dass ‘Tallica sich mit dem Sound von „Hardwired… To Self-Destruct“ so gut wie nur irgend möglich in ihren Heimathafen zurückgekehrt und damit wohl auf Konsens in der Metal-Gemeinde aus sind. Dabei schaffen Metallica das Kunststück, immer dann ein paar brillante Ideen aus dem Hut zu zaubern, wenn die Stücke anfangen, etwas ziellos zu werden („Confusion“). Und trotzdem: Unterm Strich ist „Hardwired… To Self-Destruct“ locker zehn Minuten zu lang geraten.

Stücke wie das zäh mahlende „Am I savage?“ sind einfach nur Füllmaterial. Und wir sind noch nicht am Ende. Denn zu der Maßnahme, das alte Publikum zurückzuerobern, gehören epische Nummern wie das achtminütige „Halo on fire“, das melodische „Moth into flame“ oder auch das Lemmy-Tribute-Stück „Murder one“. Mit klassischem Thrash Metal sollte dies allerdings nicht verglichen werden, sondern eher mit einem Werk wie dem „… And Justice For All“-Longplayer (09/1988) – allein schon wegen der identischen drei Punkte im Titel.

Und dennoch steht am Ende dieses Albums die Frage, ob das Dargebotene wirklich reicht, um die Fans acht Jahre nach dem letzten Studioalbum in Ekstase zu versetzen. In Anbetracht dessen, dass Metallica auf der zweiten CD deutlich spürbar die Luft und die Ideen ausgegangen sind, kann die Antwort nur lauten: Nein! Denn Metallica müssen sich nun mal an ihrem eigenen Schaffen messen lassen. Und da kommen insbesondere die Tracks des zweiten Silberlings meistens nicht mehr mit. Dass dies insgesamt immer noch zu einem guten bis sehr guten Album reicht, spricht eindeutig für Metallica, aber auch dafür, dass die hohen Ansprüche nicht zu 100% erfüllt wurden.

Anspieltipps:

  • Hardwired
  • Atlas, Rise!
  • Moth into flame
  • Spit out the bone
  • Here comes revenge
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