Jack Savoretti - Sleep No More - Cover
Große Ansicht

Jack Savoretti Sleep No More


  • Label: BMG Rights Management
  • Laufzeit: 42 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

„Sleep No More“ fühlt sich an vielen Stellen wie eine Lebenslüge an, um der Masse zu gefallen.

Jack Savoretti war auf einem guten Weg. Nach „Harder Than Easy“ hat der Musiker sich in eingängige Melodien eingefuchst, die für den Mainstream geeignet sind. In Großbritannien sind seine Songwriter-Pop-Einflüsse mit tollen Platzierung für „Written In Scars“ belohnt worden. Savoretti hat Gefallen am Erfolg gefunden und verstößt den Folk-Anteil endgültig. Auf „Sleep No More“ erwartet uns eine blutleere Pop-Vorstellung, die frei von Vorstellungskraft ist. In Jack Savoretti steckt ein gefühlvoller und bedächtiger Musiker, der sich seiner Fähigkeiten beraubt, um erfolgreicher zu sein. Das darf nicht wahr sein.

„When We Were Lovers“ und „Deep Waters“ sind fürs Radio geschrieben. Stellen wir uns bildlich vor, dass Savoretti ein Radio vor sich gestellt hat und das Objekt gefragt hat: „Was willst du von mir?“ Das Radio hat irgendwas mit genug beats per minute geantwortet und falls er eine Ballade dazwischenschieben möchte, dann bitte mit möglichst viel Beiwerk. Hintergrundgesang, Streicher und Piano draufgehauen. Nicht, weil der Song das braucht, sondern weil Künstler das so machen. So lässt auch das schöne „I’m Yours“ zu wünschen übrig, weil es lediglich eine Ballade von vielen ist. Vom Titel bis zum typischen Crescendo ist der Verlauf des Stückes vorprogrammiert. Diese Musik könnte von jedem stammen. Dafür brauchen wir keinen Jack Savoretti.

Der Fairness halber sei festgehalten, dass der Pop-Künstler zumindest ein paar Melodien auf Lager hat, die den Leuten im Kopf bleiben. „Helpless“ hat das Potenzial bei allen Hörern anzukommen. Das überladene Morning Radio ist dafür so anfällig wie die Wunschparade am Sonntagnachmittag. Das ist die hohe Kunst der Pop-Musik, die Savoretti in „Only You“ wiederholt. Das macht die merkwürdigen Country-Pop-Ausflüge auf dem Album in „Any Other Way“ und „Troubled Soul“ in keiner Weise wett. Dass Savoretti dem Pop zuliebe seicht klingt, ist verständlich, aber dann müssen die Melodien sitzen. Dafür ist „Sleep No More“ zu gleich in gleich geraten.

„Sleep No More“ will ein Spektakel fürs Radio und die Massen sein. Um das zu erreichen, ist das Album an vielen Stellen zu vorsichtig und introvertiert und an den Enden zu altmodisch. Savoretti hat seinen Stil gegen eine merkwürdige Mischung eingetauscht, die lediglich in „Helpless“ und „Only You“ den nötigen Funken erzeugt. Dass die stärkste Melodie des Albums in „Loving Lullaby“ ein ruhiger Ausklang ist, überrascht kaum. Savoretti ist weiterhin der Junge mit der Gitarre, der einen Hang zu melancholisch nachdenklichen Klängen vorweist. Hoffentlich traut er sich, diesen Weg in Zukunft wieder einzuschlagen. „Sleep No More“ fühlt sich an vielen Stellen wie eine Lebenslüge an, um der Masse zu gefallen.

Anspieltipps:

  • Lullaby Loving
  • Helpless
  • Only You

Neue Kritiken im Genre „Folk“
Diskutiere über „Jack Savoretti“
comments powered by Disqus