Ina Müller - Ich Bin Die - Cover
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Ina Müller Ich Bin Die


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 48 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

13 neue Songs von Ina Müller, die es so gut wie nie mit ihrem bisherigen OEuvre aufnehmen können. Leider enttäuschend.

Das Phänomen der Ina Müller (51), dieser singenden Sabbeltasche aus dem hohen Norden, ist und bleibt ungebrochen. 12 Jahre tingelte sie über die kleinen Kabarett-Theaterbühnen, bis sie sich als Frau im besten Alter entschloss, ins große Showbusiness zu wechseln. Mit „Weiblich. Ledig. 40“ (10/2006) gelang dies auf Anhieb. Danach wurde die Talk-Reihe „Inas Nacht“ ins Leben gerufen, von der seit 2007 bereits mehr als 100 Episoden ausgestrahlt wurden. Darin überzeugt Ina Müller als vorlaute Showmasterin, die ihren Gästen in der Hamburger Mini-Kneipe „Zum Schellfischposten“ jede Menge Details entlockt. Und zum Abschluss wird gesungen.

Im Titelsong ihres neuen Albums „Ich bin die“ charakterisiert sich die 51-Jährige sehr treffend. Nämlich so, wie sie auf dem Bildschirm wahrgenommen wird, ohne dass es ihr jemand krummnimmt: „Ich bin die, die schnell mal auf die Nerven geht. Ich bin die, die brüllend auf‘m Tresen steht. Ich bin die, die überall und immer viel zu laut mitsingt“. Musikalisch wird das Ganze auf gewohnt handgemachte Weise zwischen Folk-Pop und Chanson vorgetragen. Schließlich vertraute Ina Müller auch für dieses Album auf ein bewährtes Team, das ihr beim Texten und Komponieren unter die Arme griff.

So stammt die Musik gleich in neun Fällen von Lebenspartner Johannes Oerding. Den Rest der Credits teilen sich Thorsten Brötzmann, Jan-Philipp Kelber, Ivo Moring, Alexander Zukowski, Stephan Gade und Jörn Heilbut. Die Texte sind fast ausschließlich aus der Feder von Frank Ramond, der zusammen mit Ina Müller seit einem Jahrzehnt ein kongeniales Duo bildet, das mit wunderbar wortwitzigen Geschichten fast schon eine Alleinstellungsposition besitzt. Doch auf „Ich bin die“ lahmt das in der Vergangenheit so exzellente Konglomerat leider ein wenig.

So ist der Titelsong wohl bewusst sanft und zurückhaltend gehalten, um zu zeigen, dass Ina Müller auch leise kann. Aber nicht lange. Denn schon „Das war’s“ geht mit flotten Country-Klängen und „Ohoho“-Chören mehr aus sich heraus, wobei auch dieser Text selbstreflektierende Elemente enthält. Dagegen ist das plumpe Aufzählen körperlicher Gebrechen in „Immer eine mehr wie du“ nicht wirklich amüsant. Überhaupt hapert es heuer mit den Texten, denen hier und da der Esprit fehlt, auch weil sie sich inhaltlich mit (zu) ernsten Dingen befassen („Wie du wohl wärst“).

Da wird zum Beispiel in „Tag eins nach Tag aus“ auf melancholische Weise das Ende einer Beziehung verarbeitet, während „Klammerblues“ mit einem alten Ehepaar, das dringend an seiner Kommunikation arbeiten sollte, so etwas wie die Vorstufe von „Tag eins nach Tag aus“ darstellt. Auch das musikalisch recht flotte „Zahlen, bitte“ sowie das balladeske „Bei jeder Liebe“ karten in den Texten erneut der Vergangenheit nach, was aus erzählerischer Sicht auf Dauer ermüdend ist.

Bleibt als Fazit, dass das, was uns Ina Müller auf diesem Album mitzuteilen hat, häufig zu wenig inspirierend und nicht mit der tollen Bildsprache und demselben Wortwitz der Vergangenheit gesegnet ist. Dazu lassen einen Songs wie „Zimmer 410“, „Sowas wie Glück“ oder auch „Kommando heulen“ nämlich musikalisch und lyrisch einfach zu kalt.

Anspieltipps:

  • Das war’s
  • Zahlen, bitte
  • Dorf bleibt Dorf
  • Wie du wohl wärst
  • Wenn du jetzt aufstehst
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6.5/10

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