Bon Jovi - This House Is Not For Sale - Cover
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Bon Jovi This House Is Not For Sale


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 49 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Songs von Bon Jovi besitzen keinerlei Herz und Seele mehr. Und das, obwohl die Band nach Richie Samboras Ausstieg eigentlich gezwungen war, ihre Komfortzone zu verlassen.

Wenn man (auch als Fan) mal ehrlich ist, dann sind die Erinnerungen an ein wirklich gutes Album von Bon Jovi inzwischen fast verblasst. Werke wie „The Circle“ (2009), „What About Now“ (2013) und „Burning Bridges“ (2015) – allesamt Grütze. Und nun ist auch noch Co-Songwriter und Gitarrist Richie Sambora aus freien Stücken aus der Band geflüchtet. Mitten während einer laufenden Tournee. Damit hat er sich bei seinen ehemaligen Bandmitgliedern ins Abseits geschossen und selbst Jon Bon Jovi (54) brauchte erst einmal Zeit, um durchzuatmen und um sich zu sortieren.

In diese, nennen wir es einmal Schwebephase, fiel die Veröffentlichung des unsäglichen „Burning Bridges“-Albums, mit dem Bon Jovi den Plattenvertrag mit Island/Mercury Records erfüllten und ihren Fans zehn Songs von der Resterampe vor die Füße kippten. Gekauft wurde der Müll trotzdem. Vielleicht wegen der durchaus ansprechenden, an gute alte Zeiten erinnernden Singleauskopplung „Saturday night gave me sunday morning“. Die Hoffnungen wurden mit dem Rest der Songs aber wieder einmal nicht erfüllt. Doch sei’s drum. Nun steht mit „This House Is Not For Sale“ das mittlerweile 14. Studioalbum der, ähem, Rocker aus New Jersey an. Dieses erscheint dann doch wieder über den langjährigen Partner Island/Mercury Records, weil beide Parteien eingesehen haben, dass zusammengehört, was zusammengehört.

Und auch hier ist die im August in Form des Titeltracks ausgekoppelte erste Single ein kleiner Lichtschein im ansonsten ach so trübe gewordenen Bon-Jovi-Kosmos. Auf dem Singlecover zeigten sich Bon Jovi als Einheit, was bedeutet, dass neben David Bryan, Tico Torres und Jon Bon Jovi, auch Langzeitaushilfsbassist Hugh McDonald sowie der neue, bereits live erprobte Gitarrist Phil X in die Kamera blinzeln durften. Bon Jovi präsentieren sich als starke Familie und machen klar, dass sie ihre Herzen und Seelen nicht verkauft haben. Das ist zwar mächtig dick aufgetragen, passt aber in Bon Jovis Gefühlslandschaft der vergangenen drei Jahre.

Doch machen wir uns nicht vor: Mit „This House Is Not For Sale“ muss diese Band so langsam mal wieder etwas reißen – allein es fehlt der Glaube. Denn woher soll ein Jon Bon Jovi aus seiner Komfortsituation heraus noch einmal den Biss holen, um Songs wie in den 80er Jahren zu schreiben? Im gesetzten Alter gibt er zwar immer noch den Berufsjugendlichen, obwohl er sich wenigstens zu seinen grauen Haaren bekennt. Das scheint aber die einzige Veränderung zu sein, die er sich und seinen Fans gönnt. Sein Songwriting schwört jedenfalls auch heuer noch auf das bewährte Baukastensystem, bei dem es letztendlich egal ist, ob Richie Sambora oder Phil X die Gitarre bedient.

Das bedeutet leider, dass auch die meisten Stücke auf „This House Is Not For Sale“ an den obligatorisch gewordenen Krankheiten leiden, die keinerlei Spielraum für noch so kleine Überraschungen lassen. Dadurch klingt das Album wie das Ergebnis eines „9 to 5“-Bürojobs: Bon Jovi liefern ab, aber ohne Leidenschaft („Scars on this guitar“), käuen die immer gleichen Versatzstücke wieder („God bless this mess“) und beklauen sich mehr schlecht als recht selbst („Living with the ghost“, „Reunion“).

Tja, was soll man dazu noch sagen? Da erlebt diese Band mit dem Ausstieg ihres zweiten Masterminds tatsächlich mal eine dramatische Situation und wird förmlich gezwungen, ihre Komfortzone zu verlassen und dann kommt dabei ein selbstgefälliges, vor sich hin plätscherndes Album heraus. Auch wenn die Herrschaften keine 20 mehr sind, etwas mehr Drive, Energie und Aussagekraft wäre nicht nur wünschenswert gewesen, sondern dringend erforderlich! Aber wenn Jon Bon Jovi tatsächlich mit diesem seichten Gedudel zufrieden ist (den bei ihm angestellten Bandmitgliedern wird es eh wurscht sein), dann soll er damit glücklich werden.

Der geneigte Hörer muss es dagegen längst nicht mehr akzeptieren, dass Bon-Jovi-Songs keinerlei Herz und Seele mehr besitzen. Diese Elemente bestehen hier nur aus Floskeln, Textbausteinen und Herrn Bongiovis blitzblanker Kauleiste, die jede Kritik weglächelt.

Anspieltipps:

  • Knockout
  • Roller coaster
  • This house is not for sale
  • Come on up to our house
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