Kings Of Leon - Walls - Cover
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Kings Of Leon Walls


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 43 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Auf „Walls“ haben die Kings Of Leon ihren Stil endgültig gewechselt. „On Fire“ ist hier jedenfalls gar nichts mehr.

Dass sich die Kings Of Leon mit inzwischen mehr als 18 Millionen verkauften Tonträgern einmal zu den Big Playern der Rockmusik gesellen würden, war mit ihrem im Jahr 2003 veröffentlichten Debüt-Longplayer „Youth And Young Manhood“ in keiner Weise abzusehen. Denn dazu war ihr Sound zu verschroben und zu wenig massentauglich. Trotzdem haben es Caleb, Nathan, Jared und Matthew Followill im Laufe der Jahre hinbekommen, dass Songs wie „Sex on fire“ oder auch „Use somebody“ die Charts und das Radio eroberten. Das wiederum hat eine ganze Menge Neider heraufbeschworen, die der Band aus Nashville Ausverkauf und Anbiederung unterstellten. Spätestens ab diesem Moment war klar, Kings Of Leon sind zu echten Superstars avanciert.

Diese These bestätigt sich, wenn ein Popstar wie Taylor Swift am Erscheinungstag von „Walls“, dem neuen KOL-Album, über ihren Instagram-Account verkündet, dass das Werk großartig sei und jeder es haben müsse. Willkommen in Hollywood! Hier ticken die Uhren eben ein wenig anders. Das haben auch die Followill-Jungs spüren müssen, die sich plötzlich in einer gewaltigen Maschinerie wiederfanden, in der man als Musiker funktionieren muss. Dass dabei irgendwann der Spaß an der Sache verloren geht, ist wohl nur zu normal, aber auch das klare Zeichen, dass sich etwas ändern muss. Für die Followills war es jedenfalls an der Zeit, ein paar Dinge in ihrem Leben und an den täglichen Gepflogenheiten zu modifizieren.

Auch bei den Aufnahmen zu „Walls“ sollte der alte Trott vermieden werden. Anstatt seines langjährigen Studiopartners Angelo Petraglia (62) holte sich das Quartett den Produzenten Markus Dravs (Coldplay, Florence + The Machine, Arcade Fire, Mumford & Sons, The Maccabees) ins Boot. Jemand, der bewiesen hat, wie man Mainstream-Hits ins rechte Licht rückt. Nichts Anderes war die Aufgabe bei „Walls“, das schon mit dem Opener „Waste a moment“ ein kleines Feuerwerk zündet, das sich ohne Scham äußerst auffällig an den eigenen Hits bedient.

Ein guter Auftakt, der selbstverständlich nach Nachschub schreit. Doch Kings Of Leon gehen es lieber gemächlich an und liefern mit „Around the world“, „Find me“ und „Over“ luftige Popsongs ab, die auf gemäßigte Gitarrenarbeit setzen, mit der sich weder irgendwo anecken lässt, noch, dass man damit jemanden wehtun könnte. Keine Frage: Kings Of Leon waren auch schon mal mit mehr Biss unterwegs als auf „Walls“, das sich ganz offensichtlich als ein Werk des Stilwechsels herausstellt.

Songs wie „Muchacho“ oder auch „Conversation piece“ klingen nicht wie die Musik von jungen Männern im Alter von 30 bis 37 Jahren, sondern wie das Alterswerk eines satten Country-Stars, dem gegen die Langeweile ein paar schlappe Mainstream-Songs auf den Leib geschrieben wurden. So bleiben am Ende, bis auf ein paar nette Melodien („Eyes on you“, „Walls“), kaum Glanzlichter in Erinnerung, wie sie bisher immer auf KOL-Alben zu finden waren. Was für eine ernüchternde Erkenntnis.

Anspieltipps:

  • Over
  • Wild
  • Eyes on you
  • Waste a moment
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