Oonagh - Märchen Enden Gut - Cover
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Oonagh Märchen Enden Gut


  • Label: Electrola/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 47 Minuten
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2/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Absolut nervtötendes Flötengeseier aus der Mittelerde-Connection mit Hauptsitz in Wolfsburg.

Die Wolfsburgerin (oder ist sie doch ein Engel aus 1001 Nacht?) Senta-Sofia Delliponti (26) alias Oonagh hat mit ihren bisherigen Alben „Oonagh“ (01/2014) und „Aeria“ (03/2015) für mächtig Wirbel gesorgt und eine unerwartete Erfolgsgeschichte hingelegt, die angesichts des musikalischen Mixes aus Mittelalter-Musik, Ethno-Pop und Pathos-Folk auch heute noch unglaublich erscheint. Wer kauft so etwas? Und dann auch noch in solchen Dimensionen (Gold- und Platin-Auszeichnungen)? Vermutlich wird sich auf diese Frage niemand freiwillig melden. Aber alles, was irgendwie mit Mittelalter zu tun hat, ist ja schon länger mächtig angesagt.

Scheinbar ist der Boden, den Santiano bereitet haben (Santiano sind die Seemannsgarn-Version von Oonagh, nur eben ohne Elfen), fest genug, um auch jene Ausprägungen zu verkraften, die mit durch und durch seichter Soße an den Start gehen. Und so geht Oonagh mit „Märchen enden gut“ zum dritten Mal auf die Reise zu den Göttern von Mittelerde, eingebettet in einen folkloristischen Mantel aus Lauten- und Flötenspiel, bei Bedarf mit Orchesterklängen gepaart und mit pathetischen Chören garniert.

Auf ihrem Weg von der Hitze Afrikas bis in den rauen Winter im hohen Norden, singt Oonagh in dreizehnfacher Ausfertigung ihre dickauftragenden, märchenhaften Lieder, die stilistisch immer wie aus einem Musical und einem Film-Soundtrack entnommen wirken und damit so viel Ausdrucksfülle auffahren, bis die Grenze des Erträglichen überschritten ist. In Form von zwei, drei Songs, die in einen Walt-Disney-Fantasy-Film eingebettet wurden, mag dies ja ganz nett sein, doch auf Länge eines gesamten Albums ist dies schlicht und ergreifend nicht akzeptabel.

Das ganze Tralala auf „Märchen enden gut“ weißt interessante Parallelen zu einem Kindergeburtstag auf. In ausgelassener Stimmung feiert die Pansen-Meute, haut sich die Bäuche voll und geht auf Topfschlagen steil – bis das Geschehen ausartet. Irgendwann muss immer eines der Kinder kotzen und Rüpel Jonathan-Malte sticht Charlotte-Angel mit dem Kochlöffel ins Ohr. Deshalb enden Märchen eben nicht immer gut. Denn erst bluten dem Hörer die Ohren und dann kommt ihm die Sahnetorte wieder hoch. Pfui!

Anspieltipps:

  • Nachtigall
  • Gayatri Mantra
  • Der fahle Mond
  • Wir sehn uns wieder
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