George Michael - Listen Without Prejudice Vol. 1 / MTV Unplugged - Cover
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George Michael Listen Without Prejudice Vol. 1 / MTV Unplugged


  • Label: Epic/Sony Music
  • Laufzeit: 187 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Lange angekündigt, oft verschoben und konzeptionell trotzdem irgendwie total neben der Spur: Die Neuauflage von „Listen Without Prejudice Vol. 1“.

Grundsätzlich muss sich der geneigte Musikfan angesichts dieser Veröffentlichung wieder einmal fragen, was dieser, mit Verlaub, Scheiß eigentlich soll. Denn selten wurde so mühevoll und verkrampft an der Neuauflage eines Klassikers gearbeitet, wie im Fall von „Listen Without Prejudice Vol. 1“, dem zweiten Soloalbum von George Michael aus dem Jahr 1990. Am Ende dieses Krampfes liegt nun ein Produkt vor, das die George-Michael-Fans zum Kopfschütteln bringen wird.

Vor rund zwei Jahren hätte sich das Werk wunderbar für eine Jubiläumsausgabe angeboten. Doch dieser Termin wurde aus den unterschiedlichsten Gründen verpasst. Zum einen gab es wohl rechtliche Probleme und zum anderen kam dem Label nach diversen verschobenen Veröffentlichungsterminen und der Suche nach einer marketingtechnischen Initialzündung auch noch der Tod des Sängers und Songschreibers am ersten Weihnachtstag des vergangenen Jahres in die Quere. Dumm gelaufen. Denn George Michael konnte sich nur noch darum kümmern, den Produzenten Nile Rodgers (u.a. Madonna, Duran Duran, Daft Punk, Mick Jagger, David Bowie) für die Überarbeitung des „Fantasy“-Songs zu gewinnen.

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Fürwahr ein bisschen dünn. Doch sei’s drum. Nun liegt die ewig angekündigte Neuauflage von „Listen Without Prejudice Vol. 1“ (Originalcover siehe oben) doch noch vor und hört auf den ungelenken Titel „Listen Without Prejudice Vol. 1 / MTV Unplugged“, weil dem gefeierten, aber kommerziell nur bedingt erfolgreichen Werk noch George Micheals „MTV Unplugged“-Auftritt aus dem Jahr 1996 hinzugefügt wurde. Die Frage, warum eigentlich, sei gestattet. Denn scheinbar waren keine Outtakes oder andere Raritäten aus den Aufnahmesessions aufzutreiben, mit denen Re-Releases dieser Art in aller Regel aufgepeppt werden. So kann „Listen Without Prejudice Vol. 1“ in der Deluxe-Ausgabe lediglich auf ein paar zusätzliche Edits, Mix-Versionen sowie Videomaterial zurückgreifen, was den echten Fan nicht wirklich vom Hocker haut.
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„Listen Without Prejudice Vol. 1“ erschien am 3. September 1990 über Epic Records und war der heißersehnte Nachfolger des „Faith“-Albums aus dem Jahr 1987. „Faith“ hatte sich mehr als 25 Millionen Mal verkauft, was auf den Künstler ordentlich Druck ausübte. Doch dieser hatte sich inzwischen verändert und war erwachsener geworden. Deshalb geriet „Listen Without Prejudice Vol. 1“ im Vergleich mit „Faith“ zu einem ernsthaften Werk, dem George Michael später einen Dance-orientierten zweiten Teil spendieren wollte. Doch dazu kam es nie, und Archivmaterial, das in diese Richtung geht, kann auch das überteuert wirkende Luxus-Box-Set von „Listen Without Prejudice Vol. 1 / MTV Unplugged“ nicht bieten.

So bleibt unterm Strich eine inhaltlich etwas dröge, digital aufgefrischte Neuauflage eines ambitionierten Werks, das sich mit immerhin acht Millionen verkauften Einheiten etwas unter Wert geschlagen hat, obwohl es auf herausragende Stücke wie „Praying for time“, „Heal the pain“ oder auch „Cowboys and angels“ zählen kann. Dazu kommt ein gutes, aber – Hand aufs Herz – nicht überragendes Unplugged-Konzert aus London, ein bisschen Bonusmaterial aus der Allerweltskiste und fertig ist die verspätete Abarbeitung eines Re-Releases, der sich, wie schon das Original, erneut unter Wert schlägt. Diesmal aber aus anderen Gründen.

Anspieltipps:

  • Freedom! ‘90
  • Father figure
  • Heal the pain
  • Praying for time
  • Cowboys and angels
  • They won’t go when I go
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