Lady Gaga - Joanne - Cover
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Lady Gaga Joanne


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 47 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Joanne“ ein erwachsenes Popalbum, das die Kunstfigur Lady Gaga auf den Boden zurückholt und für das Publikum ein Stück weit normalisiert.

Man erinnere sich zurück, als Lady Gaga im Jahr 2011 ihr zweites reguläres Studioalbum „Born This Way“ (05/2011) auf den Markt brachte. Damals kam die Veröffentlichung des Nachfolgers des mit 15 Millionen verkauften Einheiten zu Buche stehenden Debütalbums „The Fame“ (08/2008) sowie des nachgeschobenen Derivats „The Fame Monster“ (11/2009) einem weltweiten Mega-Medienereignis gleich. Schließlich waren „The Fame“ und „The Fame Monster“ mit schimmernden Songs wie „Paparazzi“, „Poker face“, „Just dance“, „LoveGame“, „Bad romance“, „Alejandro“ und „Telephone“ aus dem Stand zu einer Hit-Bestie mutiert, wie es sie lange nicht gab.

Und auch Stefani Joanne Angelina Germanotta alias Lady Gaga (30) war endlich mal wieder ein Popstar, wie er im Buche steht. Jemand, der das Publikum tagtäglich mit neuen Geschichten, Skandalen und Atemberaubenden TV- und Live-Auftritten bei der Stange hielt. Lange Rede, kurzer Sinn: Die Erfolgsstory wurde auch mit „Born This Way“ fortgeschrieben, das ebenfalls vier Hitsingles abwarf. Doch schon mit dem zwei Jahre später auf den Markt gebrachten „Artpop“-Album (11/2013) war die Luft aus dem Gaga-Hype bedrohlich gewichen. Zu viel nackte Haut und zu beliebige Musik, die wichtig sein sollte, ließen das Publikum in Massen abwandern.

Lady Gaga hatte das Rad überdreht und dabei die Basis aus den Augen verloren. Schließlich ist und bleibt Lady Gaga ein Popstar, der an seiner Musik gemessen wird und nicht am Grad der Nacktheit oder ob man ihr auf der Bühne zwischen die Beine schauen kann. So hat sich das Phänomen Lady Gaga in den vergangene drei, vier Jahren langsam auf ein normales Maß zurückgeschrumpft. So normal, dass selbst die Lead-Single „Perfect illusion“ des kommenden Longplayers nicht wie erhofft performte und weit hinter den Erwartungen zurückblieb. Das animierte wohl jemanden aus dem Umfeld von Lady Gaga dazu, ein bisschen an den Klickzahlen des Songs zu fummeln, der dadurch zum vermeintlichen Digital-Überflieger wurde.

Willkommen in der Realität heißt es deshalb im Vorfeld der „Joanne“-Veröffentlichung, dem mittlerweile fünften Studiowerk des einstigen Hit-Monsters, das diesmal von dem Briten Mark Ronson (Amy Winehouse, Lily Allen, Christina Aguilera, Robbie Williams) produziert wurde und (Klischeeschublade auf) das bis dato persönlichste Werk der 30-Jährigen ist. Wir drücken angesichts dieses Promotionklassikers beide Augen zu und widmen uns lieber den elf in der Standard- bzw. 13 Songs in der Deluxe-Ausführung.

„Joanne“ präsentiert sich, als hätte Mark Ronson seinen Schützling eingefangen und vom Avantgarde-Trip heruntergebracht. Heuer stehen klassische Popsongs im Fokus, die immer wieder auffällige Gaga-Markenzeichen in ihren Soundbildern verarbeiten („Diamond heart“, „Dancin‘ in circles“, „Perfect illusion“), aber auch neue Seiten der Songschreiberin Lady Gaga offenbaren („Sinner’s prayer“, „Come to mama“). Damit wirkt Lady Gaga geerdeter, aber auch weniger spektakulär. Das liegt unter anderem daran, dass sich Lady Gaga auf der einen Seite an eigenen Versatzstücken ein zweites Mal bedient und damit auf Nummer Sicher geht sowie auf der anderen Seite, dass die neuen Inputs häufig über den Status „solide bis gut“ nicht hinauskommen. Das ist Kritik auf hohem Niveau, aber wer die Messlatte einst so hoch gelegt hat, muss damit wohl klarkommen.

„Joanne“ ist Lady Gagas gleichnamiger Tante gewidmet, die im Alter von 19 Jahren verstarb. Inwiefern dies auch auf die Songs abgefärbt hat, ist aktuell nicht sicher. Fakt ist dagegen, dass ihr Glam-Pop um Singer/Songwriter-, Country-, Soul- und Indie-Rock-Elemente erweitert wurde. Das dürfte auf das Konto von Mark Ronson gehen, aber auch an Gästen wie Josh Homme (Queens Of The Stone Age), Father John Misty, Kevin Parker (Tame Impala), Florence Welch (Florence + The Machine) und Beck liegen, die der Konsument bei all den Details allerdings erst mal raushören muss.

Am Ende ist „Joanne“ ein erwachsenes Popalbum, das die Kunstfigur Lady Gaga auf den Boden zurückholt und für das Publikum ein Stück weit normalisiert. Das ist eine unerwartete Wendung in der Karriere der Amerikanerin, die den Ausrutscher mit „Artpop“ damit wieder ausmerzt.

Anspieltipps:

  • Grigio girls
  • Angel down
  • Million reasons
  • Diamond heart
  • Come to mama
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