Emeli Sandé - Long Live The Angels - Cover
Große Ansicht

Emeli Sandé Long Live The Angels


  • Label: Virgin/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 62 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
8.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Große Gefühle lassen sich auch transportieren, ohne dick aufzutragen.

Mehr als vier Jahre zwischen Debütalbum und Zweitwerk verstreichen zu lassen, geht nur dann gut, wenn das Debüt dermaßen erfolgreich ist, dass es sich über mehrere Jahre melken lässt. Dies passiert allerdings immer seltener. Umso erfreulicher, dass die britische Soul-Newcomerin Emeli Sandé (29) dieses ungewohnte Kunststück mit ihrem Debütalbum „Our Version Of Events“ (03/2012) geschafft hat. Dazu gehörten freilich ein paar gezielte Business-Tricks, wie Wiederveröffentlichungen als „Special Edition“ und als Live-Album. So ließ sich die Präsenz der Sängerin strecken, obwohl es keine neuen Songs gab. Doch sei’s drum. Wenn sich ein Debütalbum gut 2½ Jahre in den britischen Charts halten kann und auch in Deutschland und den USA zum Dauerbrenner avanciert, dann wurde nicht viel falsch gemacht.

Am Ende stehen aktuell mehr als 4,6 Millionen verkaufte Einheiten von „Our Version Of Events“ zu Buche, aber auch die Erkenntnis, dass die Arbeit und der Aufwand, die darin stecken, so immens waren, dass Emeli Sandé Ende 2013 dringend eine Auszeit benötigte. Diese erstreckte sich weit bis ins Jahr 2014, in dem sie auch ihr Privatleben aufräumte. Sie ließ sich nach nur einem Ehejahr scheiden, wechselte das Management, bereiste ihre sambische Heimat, zog um in die Metropole London und bandelte mit dem Rapper und Produzenten Hypo alias Rob Milligan an.

Im Hause Emeli Sandé ist nun also wieder klar Schiff – und damit Zeit für die Musik, in die natürlich die aufreibende Selbstfindungsphase der Sängerin und Songschreiberin eingeflossen ist. Dies spiegelt sich nun in überwiegend melancholisch-ruhigen Stücken wieder, die auf eine übermäßige Produktion verzichten, dafür aber umso melodiöser um die Gunst des Hörers buhlen („Every single little piece“), auch wenn darin schmerzhafte Erfahrungen verarbeitet werden („Lonely“).

Das musikalische Rezept ist dabei denkbar einfach. Um ihren Gesang herum lässt Emeli Sandé Gospel-Chöre („Sweet architect“) und akustische Gitarren wie in „Tenderly“ oder auch „This much is true“ erklingen. Dazu gesellen sich angenehm arrangierte Streicherparts („Somebody“), aber nur selten fordernde Beats wie in „Kung Fu. Und trotzdem funktioniert „Our Version Of Events“ ohne Probleme. Denn große Gefühle lassen sich auch transportieren, ohne dick aufzutragen. Was Emeli Sandé verstanden hat, müssen andere noch lernen.

Anspieltipps:

  • Hurts
  • Shakes
  • Lonely
  • Somebody
  • Sweet architect
  • Give me something
Neue Kritiken im Genre „Soul“
Diskutiere über „Emeli Sandé“
comments powered by Disqus