Robbie Williams - The Heavy Entertainment Show - Cover
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Robbie Williams The Heavy Entertainment Show


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 60 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein unspektakuläres Werk mit einer Handvoll guter Songs.

Einst unterschrieb Robbie Williams (42) einen 80 Millionen Pfund schweren Jahrhundertvertrag bei der altehrwürdigen EMI, die im November 2011 zu großen Teilen von Universal Music geschluckt wurde, wo Robbie Williams im Oktober 2011 einen Vertrag mit Island Records unterschrieben hatte. Inzwischen ist der Brite mit seinem elften Studioalbum „The Heavy Entertainment Show“ bei Columbia Records (Sony Music) gelandet und stand damit bei drei von ehemals vier Majorlabels unter Vertrag. Fehlt nur noch Warner Music und Robbie Williams hat alle Majors durch.

Allein an diesem Werdegang lässt sich ablesen, wie lange Robbie Williams nun schon als Solokünstler aktiv ist: Satte 20 Jahre (die Non-Album-Single „Freedom“ erschien im August 1996), in denen der Begriff Misserfolg eigentlich nicht vorkommt, obwohl die Qualität seiner Longplayer doch sehr schwankend ist. Aber solange dem Sänger und Songschreiber pro Album ein, zwei Hitsingles gelingen, wird seine Karriere ähnlich reibungslos weiterverlaufen. Und damit wären wir auch schon beim neuen Album „The Heavy Entertainment Show“ und der ersten Singleauskopplung „Party like a russian“, die im September 2016 herauskam und in allen wichtigen Charts der Welt komplett verreckte. Beim Gedanken an Russland versteht eben aktuell niemand Spaß. Und erst recht nicht bei so einem aufgeblasenen Monster von einem Song.

Auch der zweiten Single, „Love my life“ (10/2016), erging es nicht besser, wodurch die geneigten Robbie-Konsumenten wenige Wochen vor Albumveröffentlichung langsam aber sicher nervös geworden sein dürften. Schließlich hatte sich Robbie Williams für die Produktion von „The Heavy Entertainment Show“ jede Menge prominente Verstärkung geholt. Angefangen bei seinem ganz frühen Guy Chambers, über Stuart Price und Johnny McDaid (Snow Patrol), führt das Booklet auch Namen wie Rufus Wainwright, Gary Go, Benny Blanco, die komplette Band The Killers, Steve Robson, Jewel Kilcher, Kara DioGuardi, Jonny Coffer und Ed Sheeran in den Credits. Viele Köche, gewiss, aber trotzdem sollte das Süppchen am Ende munden.

Es wäre ja auch gelacht, wenn bei immerhin 16 Tracks auf der Deluxe-Ausgabe nicht wie gewohnt ein paar Kracher darunter wären, so wie das krachende „Motherfucker“, mit dem man natürlich nur schwer ins Radio kommen wird. Aber hey, scheiß drauf! Wenn Robbie will, ist er ein echter Rocker, der überdrehte Fun-Tracks wie „Bruce Lee“ raushaut. Gut so. Denn Zeit für Gelumpe wie „Sensitive“ oder „David’s song“ bleibt auf dem Werk schließlich genug. Dann doch lieber gekonnt bei Mitbewerbern einkaufen und deren Stärken für sich nutzen. Man höre dazu einen Song wie „Mixed signals“, den The Killers geschrieben und an Robbie abgegeben haben. Genauso klingt es dann auch: Ein klassischer Killers-Track, der ausnahmsweise von Robbie gesungen wird. Nun ja…

Auch der Power-Ballade „Love my life“ hört man ihre Herkunft aus der Schmiede von Gary Go deutlich an, während „Hotel crazy“ im Duett mit Rufus Wainwright sowie „Sensational“ in die so geliebte Swing-Abteilung abbiegen. Damit schließt das normale Album. Die Käufer der Deluxe-Ausgabe erhalten jetzt noch einen Nachschlag von fünf (!) Songs, die als solide Füllware den Kohl allerdings auch nicht fetter machen. Damit bleibt am Ende ein unspektakuläres Werk mit einer Handvoll guter Songs, was im Vergleich mit früheren Robbie-Williams-Alben etwas wenig ist, aber nicht zum ersten Mal vorkommt.

Anspieltipps:

  • I don’t want to hurt you
  • Motherfucker
  • Mixed signals
  • Love my life
  • Hotel crazy
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