Sleigh Bells - Jessica Rabbit - Cover
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Sleigh Bells Jessica Rabbit


  • Label: Lucky Number/Rough Trade
  • Laufzeit: 43 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Crossover ist eine Herausforderung für Ohren, die bei den Sleigh Bells nicht gemeistert wird. Die Einzelteile lassen sich schlichtweg nicht verbinden.

Vor kurzem zeigt mir jemand einen Comicstrip im Internet. Ein Puzzleteil macht seinen Hochschulabschluss, findet allerdings keine Arbeit, die zu den erlernten Qualifikationen passt. Nach langer Suche schneidet sich das Puzzlestück unter Schmerzen zurecht und tut so, als würde es zu anderen Puzzleteilen passen. Das ist eine äußerst düstere Darstellung und stellt ein ernsteres Problem als ein missratenes Pop-Album dar, aber für das neue Album der Sleigh Bells passt der Vergleich. Wie Hardrock, Pop und verlorene DubStep-Versatzstücke ungefragt zusammengemischt werden, hat wenig mit Kunst zu tun. Den Sleigh Bells scheint es egal, denn wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Bei aller anschließender Kritik ist dem Trio zu lassen, dass es in einem einzigen Song das gesamte Konzept des Albums unterkriegt. „It’s Just Us Now“ quetscht und presst Glitch, DubStep, Pop und Hardrock zusammen, als gäbe es kein Morgen. Der Gesang versteckt den Pop-Ursprung zu keinem Zeitpunkt und die Dance-Szene guckt vorbei, weil sie eventuell mehr Verkäufe bringt. „Jessica Rabbit“ ist der Inbegriff fehlender Inspiration. Selbst überlegte Textzeilen werden von seelenlosen Tönen vertrieben. Wo bleibt der Beat? Wann kommt der Drop? Handclaps sind wichtiger als die Musik! „Jessica Rabbit“ ist darauf ausgelegt, dass Hörer komplett abschalten und sich ausschließlich auf Beats und Tempoveränderungen konzentrieren. „Baptism By Fire“ ist ein Paradebeispiel dafür, dass dieses Album der Effekte wegen und nicht für die Musik geschaffen wurde.

Sleigh Bells denken wahrscheinlich, dass sie mit ihrer Musik Grenzen aufbrechen, aber ihre verwaschene Mixtur ist vor über fünf Jahren bereits von Girl- und Boygroups in Südkorea durchexerziert worden. Der Glaube bleibt bestehen, dass Kunst entstehen muss, wenn nur lange genug etwas auf die Leinwand gerät. Vielleicht ist das auch so. Mit großer Sicherheit lässt sich allerdings feststellen, dass das auf „Jessica Rabbit“ nicht der Fall ist. Hier wird zusammengeführt, was auf diese Weise nicht passen kann, vielleicht sogar nicht passen darf. Die tonale Selbstzensur während gefühlter Intermezzi wie „I Know Not To Count On You“ ist das vorgelebte und vorprogrammierte Scheitern, das den Ansatz dieses Albums erwartet. „Jessica Rabbit“ ist eine Abart von Power-Pop, die gerade durch die aufgezwungene „Power“ keinerlei Triebkraft entwickelt.

Anspieltipps:

  • It’s Just Us Now
  • I Can’t Stand You Anymore
  • Hyper Dark

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