Abstraxion - She Thought She Would Last Forever - Cover
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Abstraxion She Thought She Would Last Forever


  • Label: Biologic Records
  • Laufzeit: 62 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Lehrstunde in schwermütigem Ambient und Techno.

Zehn Tracks, die zwischen Tragik und Euphorie hin und her pendeln. „She Thought She Would Last Forever“ klingt wie sein Titel. Die kompromisslose Freude am Moment und die tragische Erkenntnis, dass nichts für immer währt. Harold Boué, wie Abstraxion bürgerlich heißt, hat nach dem eher Dancefloor-orientierten „Break Of Lights“ (2013), scheinbar die Cinephilie für sich entdeckt. Auf seinem nun erschienenen zweiten Album bemüht er sich, mit Ruhe Bilder und Emotionen zu wecken.

Über die meiste Zeit des Albums gelingt dem Franzosen das auch. Das Album eröffnet mit schwermütigen Flöten und nimmermüden Snares, die zum Ende hin von einer wummernden Bassline untermalt werden. Dann fällt „An Error Occured“ in ein Loch aus schrägen Quietschsounds. Als hätte sich jemand aufgerafft, seiner eigenen Tragödie Herr zu werden, nur um Protagonist eines nicht minder schicksalhaften Thrillers zu werden. Dabei bietet der Folgetrack gleich eine viel ruhigere Atmosphäre aus hartnäckigen Beats in einem Tal aus Weltschmerz und jammernden, vom eigenen Echo verwaschenen Vocals. Zweifellos bedrückend, fraglos schön.

Dem Trübsinn stellt Boué im Titeltrack für acht Minuten eine singende Säge bei, die klingt wie Opernsänger mit Liebeskummer, in „Spazieren“ lädt ein marschierender, kompromissloser Beat bei selbiger Tätigkeit zum Sinnieren ein. „Blackout“ animiert mit 4/4-Rhythmus wieder ein wenig zum Tanzen, die warmen, wabernden Synths halten den Track aber auf einer Linie mit dem Grundgefühl des Albums. Die B-Seite schafft es dabei durchweg, sowohl verträumt und entschleunigt als auch tanzbar zugleich zu sein. „Not Far Away From You“ beispielsweise weckt Melancholie, erhöht dabei aber das Tempo. „Rinjani“ greift es auf und begleitet es mit knarzigen Synthies, die die Stimmung von Träumerei zu Paranoia scheuchen.

„Needed You“ tanzt mit seinen Indie-Impulsen und Hot-Chip-Flashbacks etwas aus der Reihe. Genauso „Seascape“, das sich zwar in die Stimmung des Albums fügt, allerdings dann doch etwas sehr klischeehaft wirkt. Doch „She Thought She Would Last Forever“ wird den Versprechungen des Titels und des verlassenen Covermotivs gerecht. Mehr noch, entführt Boué uns doch in komplexere Welten, die er mit seinen vorigen Werken höchstens angedeutet hat.

Anspieltipps:

  • An Error Occured
  • Spazieren
  • Not Far Away From You

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