Alicia Keys - Here - Cover
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Alicia Keys Here


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 53 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Ach wäre doch jede Mainstream-Produktion so herrlich natürlich und bodenständig.

Noch nie war die Wartezeit zwischen zwei Studioalben von Alicia Keys (35) so lang wie zwischen „Girl On Fire“ (11/2012) und „Here“ (11/2016). Das dürfte daran liegen, dass das Familienleben bei der Mutter von zwei kleinen Kindern im Alter von zwei und sechs Jahren und Ehefrau von HipHopper Swizz Beatz (38) immer mehr in den Mittelpunkt gerückt ist und der Arbeitsprozess an ihren Alben sich verändert hat. Als die Aufnahmen zu „Here“ dann endlich beginnen konnten, war Songideen im Überfluss vorhanden, von denen es mehr als ein Dutzend auf das Album geschafft haben.

Auffällig: Auch eine Alicia Keys hat die veränderten Zeichen der Zeit erkannt und auf eine Hochglanzproduktion verzichtet. Damit schließt sie sich nicht nur einem gängigen Trend an, auch die Inhalte ihrer Songs lassen sich so glaubhafter transportieren. Schließlich hat die 35-Jährige in ihren Texten durchaus etwas zu sagen, was über die üblichen Liebesthemen hinausgeht. Weltpolitik, verpackt in erdigen R&B? Warum nicht! Ein bisschen Altklug war die Keys ja schon immer. Das passt also und erinnert an ihre ersten Schritte im Music-Biz vor immerhin 15 Jahren.

So sind die durchgehend sparsam instrumentierten, auf HipHop-Rhythmen basierenden Songs in Kombination mit der warmen und direkten Produktion zunächst einmal eine Überraschung – aber eine, die Sinn macht und die sich als das große Aushängeschild dieses Longplayers erweist. Wer braucht schon noch schwülstigen Rotlichtviertel-R&B, der am Mischpult zu Tode gefoltert wurde und schlüpfrige Texte, die so erotisch wie Angela Merkel sind? Richtig! Niemand.

Alicia Keys ist mit „Here“ ein Album wie aus einem Guss gelungen. Dazu benötigte sie keine aufdringlichen Pop-Melodien und keine aufgeblasenen Hymnen, sondern das Herz am rechten Fleck und den Mut, dass es auch zwei Nummern kleiner geht und trotzdem – oder gerade deshalb! – sehr gut funktionieren kann. Mit dieser Extraportion Soul und weniger Chichi entpuppen sich Stücke wie „Hallelujah“, „Pawn it all“, „Girl can’t be herself“ oder auch „She don’t really care_1 luve“ als kleine Perlen, die auf angenehm zurückhaltende Art performt werden. Ach wäre doch jede Mainstream-Produktion so herrlich natürlich und bodenständig.

Anspieltipps:

  • Holy war
  • Pawn it all
  • More than we know
  • Girl can’t be herself
  • She don’t really care_1 luve
  • Blended family (what you do for love)
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