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Iggy Pop Post Pop Depression: Live At The Royal Albert Hall


  • Label: Caroline/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 234 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Iggy Pop zwischen Bühnenraubtier und Elder Statesman: „Wäre ich ein Anhalter, würden Sie mich mitnehmen?“.

Der Schachzug war nicht schlecht, auf seine alten Tage ein paar junge und prominente Musiker wie Josh Homme (Queens Of The Stone Age), Dean Fertita (The Dead Weather) und Matt Heldes (Arctic Monkeys) ins Boot zu holen, um gemeinsam an einem neuen Album zu arbeiten. Diesen externen Antrieb hat Iggy Pop schließlich immer gebraucht, um richtig stark zu sein. Auch bei „Post Pop Depression“ (03/2016) ging diese Rechnung auf. Und weil alle so toll miteinander harmonierten, ging es sogar zusammen auf Tournee.

Sieben Monate nach dem Studioalbum liegt nun die Live-Umsetzung von „Post Pop Depression“ vor, die hauptsächlich um Songs der beiden 1977er Studioalben „The Idiot“ und „Lust For Life“ ergänzt wurden. Aufgenommen wurde das Spektakel am 13. Mai 2016 in der Royal Albert Hall in London, die von einem fast 70-jährigen Energiebündel in Ekstase versetzt wurde. Denn Iggy Pop ist auf der Bühne auch im hohen Rockstaralter nun mal ein absolutes Naturschauspiel, das jeder mal erlebt haben sollte. Wenn dann auch noch die Rahmenbedingungen wie Location und Band stimmen, kann nichts mehr schiefgehen.

Der Godfather of Punk mit der tiefen Grabesstimme und der locker sitzenden Jeans pflügte sich an diesem Abend des 13. Mai in weniger als zwei Stunden durch 22 Tracks und zelebrierte dabei die großen Rock’n’Roll-Dramen („Mass production“, „American Valhalla“, „German days“) in Verbindung mit den rauschenden Glam/Wave/Postpunk-Orgien aus den späten 70er Jahren („Sixteen“, „The passenger“, „Lust for life“, „China girl“, „Nightclubbing“). Es gibt nicht wenige, die behaupten, dass Iggy Pop live noch nie so gut geklungen hat.

Es ist vermutlich die Mischung aus Bühnenraubtier und Elder Statesman, die Iggy Pop in dieser Phase seiner Karriere so interessant macht. Der Exzess früherer Zeiten wird gezügelt und funktioniert trotzdem. Oder gerade deshalb. Einen lärmenden Orkan wie zur Stooges-Epoche würde man dem 69-Jährigen vermutlich auch nicht mehr abkaufen. So aber finden Iggy Pop und seine junge Band genau die Mitte zwischen Vergangenheit und Gegenwart und versprühen dabei einen herrlich rauen Charme. Oder wie würden Sie reagieren, wenn ein kleiner Mann mit dutzenden Gesichtskratern und Leguan-Haut augenzwinkernd fragt: „Wäre ich ein Anhalter, würden Sie mich mitnehmen?“.

Anspieltipps:

  • Sixteen
  • Sunday
  • China girl
  • Lust for life
  • German days
  • The passenger
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