Konni Kass - Haphe - Cover
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Konni Kass Haphe


  • Label: Tutl Records/CARGO
  • Laufzeit: 47 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Sängerin von den Färöer Inseln konzentriert sich auf ihre Stärken, Fähigkeiten und Gefühle und schafft genau deswegen ein Album, das viele Hörer anspricht.

Konni Kass ist auf ihrem Album „Haphe“ auf der Suche nach guter Musik. Genres wie Pop, Soul und Jazz sind nebensächlich, wenn sie nur den geschaffenen Tönen nützlich sind. Die Jazz-Ausbildung der Skandinavierin nutzt sie zu keinem Zeitpunkt, um den Hörern Musik aus diesem Gerne vorzuhalten. Stattdessen macht die Ausbildung sich bezahlt, um mit viel Kontrolle stets die richtigen Töne zu bringen. Aufbegehrend und verträumt zugleich wie Florence + The Machine in „Rainbows“ oder bestimmt melancholisch in den vielen Soul-Momenten auf „Haphe“, trifft Frau Kass immer den richtigen Ton. Dass dabei die vermeintlichen Über-Singles fehlen, ist ein überschaubarer Makel, den die Sängerin mit Stimme und Stimmung wettmacht.

„Haphe“ ist eine Ode an die Hoffnung, die in der Traurigkeit steckt. „I Lie“ und „Dear Friend“ sind bodenständige Geschichten um die Zeit nach Trennung und nach Streit. Anstatt sich in Selbstmitleid zu baden und dem Weltschmerz die Tür zu öffnen, findet Kass die Momente, die das Gute reflektieren. Die Sängerin erzählt uns traurige Geschichten mit einem positivistischen Kern. Das sind große Aufgaben, die nicht immer auf Anhieb begeistern. „Haphe“ braucht Zeit, um zu wirken. Auf Anhieb sitzende Melodien wie in „Run“ sind die Ausnahme. Das macht „Run“ nicht besser, aber zugänglicher, was für populäre Musik enorm wichtig ist. Der Erfolg introvertierter Stücke ist schwer vorauszusagen. Festzustellen, dass „Time“ auch ohne fetzigen Chorus ein starker Titel ist, fällt dagegen leicht.

Konni Kass ist eine Musikerin, um deren Erfolg Hörer sich sorgen sollten. „Haphe“ bietet Reflexion und Positivismus, was dieser Tage nur selten in Verbindung steht. Der Grund dafür ist leicht ausgemacht: Positives in den dunklen Momenten zu finden, ist schwierig. Die Schuld bei sich selbst zu suchen, ist schwierig. Die Musik von Konni Kass zeigt nicht mit dem Finger auf andere, sondern erzählt von sich selbst. Das wirkt nicht selbstzentriert, sondern wie eine ehrliche Auseinandersetzung mit sich selbst.

Wenn sich Kass in „Surrender“ einem besungenen Moment ergibt, dann ist das eine Leistung und keine Selbstaufgabe. Sich einem Moment völlig hinzugeben, um das bestmögliche zu erreichen, ist das Credo dieses Albums. Kass konzentriert sich auf all das, zu was sie in der Lage ist. Dafür geht Hit-Potenzial flöten, aber heraus kommt das bestmögliche Album, das die Sängerin derzeit wahrscheinlich schaffen kann. Lieber hören wir ein Album, das wir von vorne bis hinten ernst nehmen, als dass ein Single-Feuerwerk für die Charts einen Künstler an Persönlichkeit beraubt. Konni Kass ist in der derzeitigen Pop-Landschaft ein Understatement, das dringend nötig scheint, um die Musik in den Vordergrund zu rücken.

Anspieltipps:

  • Run
  • Surrender
  • I Lie

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