Neil Young - Peace Trail - Cover
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Neil Young Peace Trail


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 39 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Tiere des „Earth“-Albums sind wieder im Stall. Die laute Band Promise Of The Real ebenfalls. Mr. Young musiziert nun akustisch und in Trio-Besetzung.

Welcher Teufel reitet Neil Young, dass er pro Jahr im Stile der 60er Jahre mindestens zwei Alben auf den Markt bringt? Wir wissen es nicht, aber es ist schön, dass es noch solche kauzige Originale gibt, die scheinbar tun und lassen können, was sie wollen. So hat der 71-Jährige seine Band Promise Of The Real vom „The Monsanto Years“-Album (06/2015) erst einmal wieder eingemottet und auch die auf dem „Earth“-Album (06/2016) zu hörenden Tiere durften den Stall nicht verlassen, als Neil Young zusammen mit Paul Bushnell (Bass) und Jim Keltner (Drums) in den Shangri La Studios von Rick Rubin (der den Longplayer allerdings nicht produzierte) die zehn neuen Tracks von „Peace Trail“ aufnahm.

„Peace Trail“ ist das mittlerweile 37. Album des Kanadiers und inhaltlich wieder einmal von (umwelt-)politischen und gesellschaftskritischen Themen angetrieben. Eingespielt wurde es in gerade einmal vier Tagen. Deshalb wagen wir es gar nicht erst, nach einer ausgearbeiteten Produktion zu fragen. Und wer Songs am Stück raushaut, wie andere Leute ihre Unterwäsche wechseln, kalkuliert auch die eine oder andere Kröte ein. Denn bei Neil Young geht es inzwischen um Momentaufnahmen, die raus müssen, wenn sie raus sollen. So wurde meist schon nach dem zweiten Take Schluss gemacht. Passt schon.

„Peace Trail“ ist ein akustisches Album, auch wenn hier und da die E-Gitarre ganz fies aufheult und damit den Finger in die Wunde legt. Doch in diesen ruhigen, akustischen Momenten mit Songs wie „Show me“ oder auch dem Titeltrack liegt die Kraft dieses Albums, das nicht nur politisch daherkommt, sondern auch mit Youngs gescheiterter Ehe aufräumt („My pledge“) oder die Errungenschaften des Home-Shoppings zynisch abfeiert („My new robot“). Zwischendurch muss der Hörer aber auch ein paar ziellos vor sich hin rumpelnde Stücke wie „Texas rangers“, „John Oaks“ oder auch „Terrorist suicide hang gliders“ ertragen.

„Peace Trail“ zählt trotz einiger guter Songs definitiv nicht zu den besten Werken des Singer/Songwriters. Im Vergleich mit Youngs Katastrophen aus den frühen 80er Jahren sind die Stücke zwar eindeutig besser aufgestellt, aber mehr als ratz-fatz eingespielte Momentaufnahmen sind sie nun mal auch nicht. Nichtsdestotrotz ist „Peace Trail“ ein typisches Neil-Young-Album, das von seinem rauen Charme lebt und ein aufregendes Jahr für den Meister beendet.

Anspieltipps:

  • Show me
  • My pledge
  • Peace trail
  • Glass accident
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