Bon Jovi - This House Is Not For Sale: Live From The London Palladium - Cover
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Bon Jovi This House Is Not For Sale: Live From The London Palladium


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 71 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Auf eins kann sich der Hörer bei Bon Jovi verlassen: Live rocken sie noch immer jedes Haus - und machen damit mal eben aus einem schwachen Studioalbum ein sehr solides Live-Werk!

This House Is Not For Sale“ (11/2016) die Zweite. Dem vor gerade einmal sechs Wochen auf den Markt gebrachten 14. Studioalbum aus dem Hause Bon Jovi folgt nun bereits der gleichnamige Live-Longplayer, der am 10. Oktober dieses Jahres im London Palladium aufgezeichnet wurde. Weil die Band diesen Auftritt vor rund 2.300 Besuchern so doll fand, sollte er nach ihrer Meinung allen Bon-Jovi-Jüngern käuflich zugänglich gemacht werden. Das hört sich sehr Fan-nah und nach einem vorzeitigen Weihnachtsgeschenk an, stellt aber ganz nebenbei banales Business-Kalkül dar.

Die Verkaufszahlen des Studio- und des Live-Albums werden für die Ermittlung von Gold- bzw. Platin-Auszeichnungen kumuliert. Damit dürfte im Fall von „This House Is Not For Sale“ sichergestellt sein, dass das Werk in der Endabrechnung gut dasteht. Dennoch ist es ungewöhnlich, einen komplett neuen Longplayer live einzuspielen. Denn meistens schaffen es eh nur ein paar ausgewählte Tracks in die Set-List einer Tournee – und damit in das Langzeitgedächtnis des Hörers. Ab und an bringen Bands zwar ausgewiesene Album-Klassiker ihres Schaffens in voller Länge live auf die Bühne. Doch das sind Ausnahmen, so wie „This House Is Not For Sale: Live From The London Palladium“.

Auch wenn Bon Jovis Studioalben schon seit langer Zeit nur noch Grütze sind, auf eins kann sich der geneigte Hörer bei den Herren aus New Jersey verlassen: Live rocken sie noch immer jedes Haus. Die Frage ist nur, was passiert, wenn in der Setlist kein einziger vertrauter Hit auftaucht, dafür aber schmierige Balladen wie „Labor of love“ ertragen werden müssen, die nicht nur aufgrund des dazugehörigen Videoclips an Chris Isaaks „Wicked game“ erinnern. Zudem macht auch dieser Live-Mitschnitt deutlich, dass Jon Bon Jovis Stimme bei hohen Tönen immer stärker wie „Kermit der Frosch“ klingt.

Doch „This House Is Not For Sale: Live From The London Palladium“ hat durchaus auch Bemerkenswertes zu bieten! Die Aufnahme kommt angenehm rau und unpoliert daher, wodurch die wenigen reinrassigen Rocksongs deutlich mehr Tiefenschärfe erhalten und potenzielle Hitsingles wie „Roller coaster“ und „New year’s day“ mit amtlichen Live-Druck unter Beweis stellen, dass diese Band noch am Leben ist. Dabei werden Songs, die vor Selbstzitaten nur so wimmeln, zwar nicht besser („God bless this mess“), aber in der Wirkung angenehmer. Dabei fallen Country-Balladen im „Lost Highway“-Stil ebenso positiv auf („Scars on this guitar“), wie der Piano-Track „Real love“, der an die 90er Jahre erinnert („Always“ irgendjemand?).

Damit vollbringen Bon Jovi tatsächlich das Wunder, aus einem schwachen Studioalbum mit ein und denselben Songs ein authentisches Live-Werk zu kreieren, bei dem es plötzlich egal ist, dass Old-Jonny weiterhin mit seinen Floskel-behafteten Baustein-Texten jongliert und sich kompositorisch ein ums andere Mal kopiert. Daraus sollte er lernen und in Zukunft auf die aalglatten Produktionen eines John Shanks verzichten und damit vielleicht ein wenig zu den Klängen der „New Jersey“-Ära zurückkehren.

Anspieltipps:

  • Real love
  • Roller coaster
  • New year’s day
  • Scars on this guitar
  • Living with the ghost
  • Born again tomorrow
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