Amber Run - For A Moment, I Was Lost - Cover
Große Ansicht

Amber Run For A Moment, I Was Lost


  • Label: Easy Life/Sony Music
  • Laufzeit: 45 Minuten
Artikel teilen:
6.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Grundsolide und mit einigen Aussetzern nach oben, präsentieren sich Amber Run. Etwas weniger Gejammer wäre allerdings angebracht.

Nach dem erfolgversprechenden Start ihrer Karriere mit dem 2015 erschienen Debütalbum „5 am“, das sich immerhin auf einem respektablen 36. Platz in den UK-Charts platzieren konnte, ging es plötzlich nur noch bergab. Das Majorlabel lässt sie fallen und Schlagzeuger Felix Archer quittiert seinen Dienst. Insofern ist der Titel des neuen Albums „For A Moment, I Was Lost“, welches nur ein Jahr nach diesen Ereignissen erscheint, selbsterklärend.

Der klavierbetonte, melancholische Opener „Insomniac“ kommt als Semiballade im Stil von Keane daher. Zwar eine relativ flotte Nummer, dennoch sehr eindringlich, vor allem wenn Sänger Joe Keogh von hohen Tönen zu angerauten Vocals wechselt. „No Answers“ beginnt musikalisch wahrlich unspektakulär mit langweiligem Indiepopgitarrengefiedel, kann aber mit einem Ausbruch der Frustrationen in der zweiten Hälfte aufwarten, der sich gewaschen hat. „Island“ gerät dann wieder gezähmter, läuft aber insgesamt gut durch, wobei hier vor allem wieder Keogh überzeugt. Musikalisch nicht wirklich weltbewegend, aber solide.

„Stranger“ ist dann das Highlight des Albums. Mit einer Düsternis und Klangabfolge die beinahe an Alice In Chains erinnert, wäre da nicht die musikalische Umsetzung mit cleanen Gitarren, Keyboards und elektronischen Spielereien, gerät dieser Song sehr eindringlich und überzeugt auf ganzer Linie. „Fickle Game“ dagegen beginnt als anbiedernd-traurige Radionummer, mit allen Zutaten, die man tagtäglich im Radio in die Ohren gespült bekommt. Lediglich die lässig aus dem Ärmel geschüttelten Gitarrenlicks von Will Jones lassen den Song nicht austauschbar erscheinen. Nur mit einer von einem Vocoder verzerrten Stimme beschreibt „Haze“ mit Zeilen wie „staring at blank walls“ oder „scared of dying alone“ die Leere innerhalb der Band an ihrem Tiefpunkt. Allerdings muss man hier schon anmerken, dass es sich nur um einem Ausstieg eines Mitglieds und dem Verlust des Plattenvertrages handelte. Beides scheint ja insgesamt ganz gut verlaufen zu sein.

Aus sich heraus gehen die Jungs aus Nottingham, dann in „Perfect“, bei dem endlich mal gerockt wird, das elektronische Gewummer stört die schönen Twangakkorde in „Dark Bloom“ leider mehr, als dass sie diese unterstützen. Poppig, aber mit einer angenehmen Melancholie ertönen „White Lie“ und „Machine“, während „Are You Home?“ und „Wastelands“ doch etwas zu pathosgeschwängert erscheinen. Ein solides bis gutes Album ist „For A Moment, I Was Lost“ allemal. Trotzdem würde es der Band guttun nicht allzu viel über ein offensichtlich uninteressiertes Bandmitglied und einen schlechten Plattenvertrag rumzujammern. Da gibt es weitaus schlimmere Dinge.

Anspieltipps:

  • Insomniac
  • Stranger
  • White Lie
  • Perfect

Neue Kritiken im Genre „Indie-Pop“
Diskutiere über „Amber Run“
comments powered by Disqus