Deep Purple - inFinite - Cover
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Deep Purple inFinite


  • Label: earMusic/EDEL
  • Laufzeit: 46 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

War es das jetzt oder was es das doch noch nicht? Die Frage ist sicher erlaubt, wenn in diesen Tagen das 20. Studioalbum von Deep Purple in die Läden kommt.

War es das jetzt oder was es das doch noch nicht? Die Frage ist sicher erlaubt, wenn in diesen Tagen das 20. Studioalbum „inFinite“ der britischen Rock-Legende Deep Purple in die Läden kommt. Immerhin gibt es die Band, bei der das jüngste Mitglied 62 Jahre und das älteste fast 72 Jahre alt ist, bald seit fünf Dekaden. Es wäre also keine Schande, wenn der eine oder andere Musiker in den Reihen von Deep Purple an den Ruhestand denkt. Doch noch ist es nicht soweit! Roger Glover, Ian Gillan, Ian Paice, Don Airey und Steve Morse hatten noch einmal Bock, ein Rockalbum aufzunehmen und damit auf eine ausgiebige Tournee zu gehen, als wären sie junge Hunde, die es allen zeigen wollen.

Nötig hätten sie das gewiss nicht mehr. Und die Gefahr, sich zum Beispiel auf der Bühne zu blamieren, kann mit fortschreitendem Alter nie ganz ausgeschlossen werden. Doch scheinbar haben Deep Purple mit „Now What?!“ (04/2013), das nach achtjähriger Platten-Pause erschien, wieder Blut geleckt. Der Erfolg – kommerziell wie auch in Bezug auf die positiven Kritiken – gab ihnen jedenfalls recht. Und so holten sie sich ein zweites Mal den kanadischen Produzenten Bob Ezrin (Alice Cooper, Deftones, Kiss, Lou Reed, Pink Floyd), der auch „Now What?!“ betreute, ins Boot und spielten mit „inFinite“ einen weiteren Quell der Hardrock-Jugend ein.

Deep Purple wissen, wie sie im Spätherbst ihrer Karriere klingen müssen, um zum einen selbst Spaß zu haben und zum anderen, um ihre Fans zufriedenzustellen. Deshalb wird ein Ian Gillan (71) nicht mehr die Tonleiter hinaufgehetzt, aber dafür markante Duelle zwischen Steve Morse an der Gitarre und Don Airey an den Keyboards aufgefahren. Dass die Band dabei insgesamt etwas gesetzter klingt und Groove vor Tempo stellt, ist völlig normal und erwartungsgemäß. Die kraftlose Coverversion des Doors-Klassikers „Roadhouse blues“ hätte trotzdem nicht sein müssen, da selbst Deep Purple dem Song nichts Entscheidendes mehr hinzufügen können.

Somit bleiben neun Songs in der Verlosung, mit denen Deep Purple die Jubelarien von „Now What?!“ bestätigen wollen. Das gelingt, um es vorwegzunehmen, nicht immer, aber zumindest bei einem Großteil der Stücke, die förmlich im traditionellen Purple-Sound baden, der das Quintett unauslöschlich in die Rock-Geschichtsbücher zementiert hat („Hip boots“). Die Grundstimmung fällt dabei eher etwas dunkler aus, egal ob es sich um kraftvolle Rocksongs wie „Time for bedlam“ oder progressive Ausflüge wie „All I got is you“ und „The surprising“ handelt – Deep Purple haben den Alters-Blues und dieser lädt nun mal nicht zum fröhlichen Abrocken ein.

Now What?!“ wurde gewiss auch deshalb etwas über Gebühr abgefeiert, weil viele dachten, dass es sich um das letzte Studioalbum der Briten handeln würde. Da ist der geneigte Fan-Boy schon mal etwas großzügiger mit der Bewertung. Nichtsdestotrotz ist und bleibt „Now What?!“ ein starker Langplayer, an den „inFinite“ allerdings nicht heranreicht. Es gibt zwar diverse tolle Momente und Songs, aber unterm Strich erleben wir keinen aha-Effekt, der mehr als ein gutes Werk dabei herauskommen lässt.

Anspieltipps:

  • Hip boots
  • Birds of prey
  • The surprising
  • All I got is you
  • Time for bedlam
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