Depeche Mode - Spirit - Cover
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Depeche Mode Spirit


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 49 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
7.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Depeche Mode schmoren im eigenen Saft. Revolution? Fehlanzeige!

Exakt vier Jahre nach dem „Delta Machine“-Album (03/2013) melden sich Depeche Mode im mittlerweile bewährten Vierjahresrhythmus mit frischer Musik und einer wie immer gigantisch angelegten Tournee zurück, die die Band zuerst nach Europa führen wird, wo allein rund 1,5 Millionen Besucher erwartet werden. Damit verkaufen die Herren Martin Gore (55), Dave Gahan (54) und Andy Fletcher (55) inzwischen mehr Eintrittskarten als CDs, und doch stellt die Veröffentlichung des „Spirit“-Albums für die Händler einen der wenigen Feiertage dar, weil endlich mal wieder größere Stückzahlen über die Ladentheken wandern. Denn eines ist klar: Depeche Mode haben in Deutschland eine der loyalsten Fanschichten überhaupt. Jene kauft auch das neue Album blind, selbst wenn die erste Singleauskopplung „Where’s the revolution“ ein völlig unspektakulärer Rohrkrepierer ist. Revolution? Fehlanzeige!

„Spirit“ ist das vierzehnte Studioalbum der zum Trio geschrumpften Band. Es wurde von James Ford (Arctic Monkeys, Foals, Florence + The Machine, Little Boots, Klaxons) produziert, der damit Ben Hillier ablöst, der die letzten drei Longplayer von Depeche Mode an den Reglern betreute und der Band im zunehmenden Maße den Blues in ihren elektronischen Sound-Kosmos einpflanzte. Mit James Ford wird dagegen wieder mehr in die Elektro-Trickkiste gegriffen, die irgendwann Ende der 90er Jahre verloren ging. Am Ende ist es freilich mehr oder weniger egal, wenn sich die Briten als Produzenten ins Studio holen. Die Band ist so groß und hat einen so unverkennbaren Stil entwickelt, dass sie unter 1.000 Bands immer sofort wiedererkannt wird.

Dass sich der geneigte Konsument das Depeche-Mode-Oeuvre dazu in den letzten zehn Jahren immer stärker schönhören musste, sollte allerdings zu denken geben, zumal dieser Effekt auf „Spirit“ noch einmal getoppt wird. Als Ausgangslage versucht die Band krampfhaft, die eigenen Großtaten der Vergangenheit zu reproduzieren („Cover me“, „No more (this is the last time)“), um in der Folge weitgehend Belanglosigkeiten abzuliefern („Eternal“, „Poison heart“, „Fail“), die zum einen aus den bekannt düsteren Komponenten bestehen („You move“, „Poorman“) und zum anderen den Kopf und das Herz des Hörers noch nie so wenig berührt haben wie heuer.

Was ist „Spirit“ also? Ein Konzeptalbum, das alles will, nur nicht eingängig sein oder ein echter Ausrutscher, der am Fan vorbei produziert wurde? Am Ende wohl beides, wobei die Hardcore-Fangemeinde sicher auch „Spirit“ wieder konsequent in den Himmel loben wird. Was sollen die Depeche-Mode-Jünger auch sonst machen? Dennoch: Auch nach mehrmaligem Hörer bleibt von den Songs kaum etwas hängen – weder in Sachen Atmosphäre noch in Bezug auf die Melodien. Nur selten, wie beim Opener „Going backwards“, ist ein bisschen was vom alten Depeche-Mode-Feeling zu spüren, das mit den folgenden Langweilern „Where’s the revolution“ und „The worst crime“ schon wieder harsch eingebremst wird.

So kommt der Genuss von „Spirit“ eher einer Qual gleich, weil der Hörer schließlich zur Genüge weiß, was die Band eigentlich imstande ist zu leisten und anno 2017 nicht in der Lage ist abzurufen. Deshalb macht ein Titel wie „No more (this is the last time“) in Anbetracht des schwachen Ergebnisses von „Spirit“ plötzlich auf eine Weise Sinn, die das Ende der Band vorwegnehmen könnte. Denn Resultate wie das hier vorliegende sind kaum noch verhandelbar. Wer deshalb gehässig ist und sich dazu auch noch die Bilder der Musiker im Booklet anschaut, könnte zu dem Schluss kommen, dass „Spirit“ Musik für Menschen Mitte Vierzig ist, die glauben, so cool zu sein wie vor 20 Jahren. Dabei waren sie es weder damals noch sind sie es heute.

Anspieltipps:

  • You move
  • So much love
  • Going backwards
  • Where’s the revolution
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