Maximo Park - Risk To Exist - Cover
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Maximo Park Risk To Exist


  • Label: Cooking Vinyl/Sony Music
  • Laufzeit: 40 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Das böse Wort „solide“ bleibt die Maxime bei Maximo Park.

Drehen wir ein paar Jahrzehnte zurück und lassen das Pendel dann brav in Vergangenheit und Zukunft ausschlagen. Der tanzbare Ansatz auf „Risk To Exist“ leiht sich gleich im Opener „What Did We Do To You To Deserve This?“ Einflüsse des Soul, nur um in „Get High (No, I Don’t) zu Rock der Wave-Zeiten zu wechseln. Abschließen darf „What Equals Love?“, das genau den Indie-Rock-Geist der frühen Jahre der Band re-zelebriert. Maximo Park pfeifen auf Grenzen und versprechen auf den ersten Blick viel Freigeist.

Die Power lässt die Band dabei an fast allen Ecken vermissen. Paul Smiths Gesang schneidet ganz allein scharf wie ein Messer durch die Butter, zu der unsere Herzen werden. Maximo Park-Fans, die Smiths Stimme gerne in ihrem Gehörgang wissen, können sich am klar produzierten Sound der Band abermals nicht satt hören. Wer sich dazu eine feine Rock-Party erhofft, stört sich nicht ohne Grund an einem scheinbar desinteressierten Grundton. Der Titeltrack „Risk To Exist“ ist ein schönes Beispiel für ein Album, das keine gerade Linie findet. Knallendes Schlagzeug, dann aber Pop-Chorus und ein Keyboard, das sich unnötig in den Vordergrund spielt ergeben ein Gemisch, das nur in Ansätzen zündet. Dabei behält die Band ein seichtes Tempo bei und hält sich überhaupt von großen Gesten und Emotionen fern.

Ein „I’ll Be Around“ geht links rein und verschwindet, bevor es rechts wieder entschwindet. Unaufgeregt und plätschernd sind zwei verschiedene Begriffe. Maximo Park wirken bei aller Grundqualität erschreckend blutleer. Besonders die erste Hälfte des Albums muss sich diesen Vorwurf gefallen lassen. Das Album ist nett und liefert dabei keine Überraschungen. Die vorprogrammierte Unterhaltung findet in „I’ll Be Around“ und „Work And Then Wait“ ihren Tiefpunkt. Bis zur Mitte des Albums spult Maximo Park das eigene Programm mit wenigen Ausnahmen sehr brav herunter.

Die zweite Hälfte kommt mit „The Hero“ langsam, aber effektiv in Tritt. Die zurückhaltende, unaufgeregte Tanzbarkeit steigert sich angenehm und ohne zu langweilen finden sich Hörer mit einem Schlag in einer Ekstase wieder. In Kombination mit dem Ohrwurm „Make What You Can“ und einem Ausflug in die Disco-Ära in „Respond To The Feeling“ bringt sich die wieder ins Gespräch. Die musikalisch abermals holprigen „Alchemy“ und „The Reason I Am Here“ überzeugen dazwischen durch starke Texte über den derzeitig florierenden Populismus und den gruseligen Internet-Algorithmus, der alle unsere Wünsche kennt.

Insgesamt fehlt „Risk To Exist“ das im Titel vorkommende Risiko. Die weniger geradlinigen Stücke bleiben nicht im Mittelfeld stecken, weil die Band durchaus ungewohnte Instrumente und Melodien in den Vordergrund stellt, sondern weil sie dabei sehr bedächtig vorgeht. Vieles auf „Risk To Exist“ wirkt zu zurückgehalten. Die faszinierende Mischung aus abgeklärten Klängen und einem daraus ausbrechenden Gesang wie in „The Hero“ bleibt Hörern meist vorbehalten. Textlich ist „Risk To Exist“ ein Album, das mit Botschaften rund um Sympathie und Nächstenliebe durchaus gefällt. Wie bei den meisten Botschaften ist aber auch von höchster Wichtigkeit, dass die Nachricht mit Leidenschaft vorgetragen wird. Und die Leidenschaft für die frohe Botschaft flackert auf „Risk To Exist“ recht selten ordentlich auf.

Anspieltipps:

  • The Hero
  • Make What You Can
  • What Equals Love?

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