Linkin Park - One More Light - Cover
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Linkin Park One More Light


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 35 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
3.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Auf Hochglanz polierte Pop-Seifenblasen aus dem ausrangierten Ideen-Müll aus den Abfalleimern von Maroon 5, Justin Bieber, Ed Sheeran und OneRepublic.

Wer sich wie Linkin Park auf die Fahnen schreiben kann, mit „Hybrid Theory“ (02/2001) in den USA das meistverkaufte Album dieses Jahrhunderts herausgebracht und mehr als 62 Millionen Facebook-Freunde auf seiner Seite zu haben, hat ohne Einschränkung einen Superstar-Status inne, auf den heutzutage nur wenige Musiker verweisen können. Dass dieser Status allerdings schon so lange anhält, ist schon deshalb etwas Besonderes, weil sich Linkin Park nie auf ihren Lorbeeren ausgeruht und von Album zu Album Mut zur Lücke bewiesen haben. Wie kaum eine andere Rockband haben die Mannen um Chester Bennington und Mike Shinoda ihren Stil mehrfach durch den Wolf gedreht und sind inzwischen im sicheren Hafen des Mainstream-Pop angekommen.

Fakt ist, Linkin Park anno 2017 sind nicht mehr mit den Linkin Park des Jahres 2001 zu vergleichen. Alte Fans wurden längst vergrault, aber auch neue dazugewonnen. Am Ende ist es nun mal ganz allein die Entscheidung der Band, in welche Richtung sie gehen will – und der Hörer legt für sich fest, ob er diesem Weg folgen möchte und erkauft sich damit auch das Recht, Kritik zu üben. So einfach ist das. Will heißen: Wer zwischen den Zeilen lesen kann, mag daraus schon an dieser Stelle eine kleine Warnung ableiten. Denn mit „One More Light“ legt das Sextett ein neues Studioalbum vor, auf dem es erneut einen deutlichen Stil-Twist aufs Parkett gezaubert hat, der die Fan-Foren ganz bestimmt nicht kalt lassen wird.

Dazu erklären Linkin Park die E-Gitarre auf „One More Light“ zur Persona non grata und sperren damit jeden Ansatz von Rockmusik aus. Das kennt der geneigte Hörer so ähnlich auch schon von früheren Alben. Doch wo damals wenigstens noch mit düsterer Stimmung und elektronischen Klängen experimentiert wurde, zieht heuer banalste Popmusik ein, die austauschbar, einfalls- und emotionslos aus den Boxen plätschert. Na gut, wenn die Kalifornier aktuell Bock auf Popmusik haben, dann dürfen sie das auch ausleben. Nur: So richtig schlüssig ist es nicht, warum man nun beim Kauf einer Linkin-Park-Platte den ausrangierten Ideen-Müll aus den Abfalleimern von Maroon 5, Justin Bieber, Ed Sheeran bzw. OneRepublic bekommt.

Egal wie oft sich der Hörer das 35 Minuten kurze Album auch gibt, mehr als ein laues Lüftchen ist „One More Light“ leider nicht geworden. Dabei ist das Problem nicht, dass Linkin Park reinrassige Popmusik machen, das Problem ist, dass die zehn Songs von vorne bis hinten belanglos sind. Es bleibt nichts im Ohr, bis auf den Titeltrack wird kein einziges Mal Atmosphäre erzeugt und die massive Verwendung von Auto-Tune geht auf Dauer einfach nur auf den Zeiger. Fazit: Nein, wir wollen die „Hybrid Theory“-Zeiten nicht zurück! Ja, eine Band soll und darf sich gerne weiterentwickeln. Als Ergebnis sollten dann aber nicht auf Hochglanz polierte Seifenblasen abgesondert werden, die der Endkontrolle eines neutralen externen Produzenten niemals standgehalten hätten.

Anspieltipps:

  • Heavy
  • One more light
  • Battle symphony
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