Die Toten Hosen - Laune Der Natur - Cover
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Die Toten Hosen Laune Der Natur


  • Label: JKP/WEA
  • Laufzeit: 51 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
8.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Fünf Jahre nach ihrem letzten Album haben Die Toten Hosen viele Themen aufzuarbeiten.

Dass Die Toten Hosen auf ihre alten Tage, sprich, im 30. Jahr ihres Bestehens, mit „Ballast der Republik“ (05/2012) noch einmal ein Album hinbekommen würden, das den sogenannten Massengeschmack dermaßen trifft, durfte kaum jemand erwartet haben. Doch die Band war bereits auf „In aller Stille“ (11/2008) hörbar gereift und machte nun auf „Ballast der Republik“ das Beste aus diesem Prozess. Sie mischte typische Hosen-Hymnen wie „Tage wie diese“ und „Altes Fieber“, die in den Charts mit Platz 1 und 3 mächtig abräumten, mit allerlei ernsten Themen, die entsprechend authentisch rüberkamen und halfen, Musikern, die auf die 50 zugehen endlich von ihrem Image der Berufsjugendlichen zu befreien.

Dem Erfolg von „Ballast der Republik“ ist es zu verdanken, dass fünf Jahre vergangen sind, bis die Düsseldorfer jetzt mit „Laune der Natur“ einen Nachfolger des mindestens 800.000 Mal verkaufen Vorgängers vorlegen. In dieser Zeit spielten die Toten Hosen nicht nur unzählige Konzerte, sie mussten auch einige Schicksalsschläge verkraften. So starben der langjährige Hosen-Manager und Geschäftsführer ihres Labels JKP Jochen Hülder (2015) und Ex-Schlagzeuger Wolfgang „Wölli“ Rhode (2016) in relativ kurzen Zeitabständen, was sich natürlich auf die neuen Songs ausgewirkt hat, die auf der einen Seite den irrsinnigen Erfolg der letzten Jahre und auf der anderen Seite den Verlust von zwei guten Freunden verarbeiten.

Schaut man sich das Team an, das an „Laune der Natur“ mitgewirkt hat, wird schnell klar, dass an einem gewachsenen Kreativgebilde festgehalten wurde, das sich als funktionierendes System bewährt hat. So wirkte Rapper Marteria (bürgerlich: Marten Laciny) wieder als Co-Texter mit, während sich Vincent Sorg um die Produktion und Tobias Kuhn um die Arrangements kümmerte. Ob oder wie sehr das Ergebnis dieser erneuten Zusammenarbeit noch Punkrock ist, fragte sich die Gemeinde schon bei den letzten Hosen-Alben. Nur: Wir haben nun mal nicht mehr 1982, sondern 2017. Deshalb sollte der aktuelle Breitwand-Sound der Toten Hosen respektiert werden.

Wer es dennoch zünftiger braucht, der greift zur limitierten Auflage von „Laune der Natur“. Dieser liegt nämlich eine 27 Songs umfassende Bonus-CD mit der Fortsetzung der 1991er Punkrock-Helden-Verehrung „Learning English“ bei. Schlau sind sie ja, diese Düsseldorfer. Und deshalb wirkt die erste Singleauskopplung „Unter den Wolken“ bestimmt nicht zufällig wie eine „Tage wie diese“-Fortsetzung, wenn auch nicht mit der gleichen Sogkraft. Dafür hauen gleich die beiden Opener „Urknall“ und „Alles mit nach Hause“ mit amtlicher DTH-Power rein, bevor mit dem Reggae „Wannsee“ die Gemüter wieder etwas herunterkühlt werden. Dennoch: Ein starker Auftakt!

Danach geht es in gewohnter Tote-Hosen-Manier weiter. Das Quintett schöpft seine schier unendliche Erfahrung aus über drei Jahrzehnten und lässt diese routiniert in 15 Tracks einfließen. Die Düsseldorfer fahren rotzig-raue Punkrocksongs auf („Energie“), schütteln Breitwand-Balladen fürs Radio aus dem Ärmel („Alles passiert“) und schaffen es, einen „Bonnie & Clyde“-Ableger zu kreieren („Die Schöne und das Biest“). Dazu lassen sie es sich im hohen Rockstaralter nicht nehmen, einen Blick zurückzuwerfen und gleichzeitig zu fragen, wie lange sie dieses Leben noch durchziehen können („Wie viele Jahre (Hasta La Muerte)“).

Darüber hinaus zollen Die Toten Hosen auch ihren verstorbenen Freunden Tribut. So ist der düstere Song „Eine Handvoll Erde“ Jochen Hülder gewidmet, während das leicht Country-eske „Kein Grund zur Traurigkeit“ die Neueinspielung eines Solosongs von Wölli darstellt. Auf diese Weise vertonen die Hosen einen turbulenten fünfjährigen Lebensabschnitt, wie es sich die Anhänger gewünscht haben dürften. Überraschungen bleiben dabei zwar ebenso aus wie größere Ausfälle, was am Ende einem maximalen Konsens zugutekommt.

Anspieltipps:

  • Urknall
  • Alles passiert
  • ICE nach Düsseldorf
  • Alles mit nach Hause
  • Wie viele Jahre (Hasta La Muerte)
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