Chuck Berry - Chuck - Cover
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Chuck Berry Chuck


  • Label: Decca/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 34 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
7.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Spaß steht hier an erster Stelle. „Chuck“ strotzt natürlich vor Selbstzitaten.

Gerade noch hatte Chuck Berry sein erstes Studioalbum seit 38 (!!!) Jahren angekündigt, es sollte sein letztes Statement werden. Kurz darauf starb der einflussreiche Gitarrist und ließ „Chuck“ somit unweigerlich zu seinem Abschiedsalbum werden. Mit 90 Jahren auf dem Buckel, davon über 60 auf der Bühne, war dies allerdings nur eine Frage der Zeit. Trotzdem ist es schade, dass er die Veröffentlichung nicht mehr erleben durfte. Aufgenommen über die letzten 25 Jahre in St. Louis und angeblich vom Meister selbst produziert, könnte „Chuck“ fast als Best Of durchgehen. So sehr strotzt das Album vor Selbstzitaten.

Das war allerdings auch zu erwarten, denn was musikalisch geboten wird ist klar. Rock’n’Roll, Blues und natürlich dieses unverkennbare Gitarrenlick, das so viele seiner Songs eröffnet. Nach dem Opener „Wonderful Woman“, welches mit Gary Clark Jr. als Gast an „You Never Can Tell“ erinnert, ist es soweit. „Big Boys“ (mit Tom Morello und Nathaniel Rateliff) beginnt wie „Roll Over Beethoven“ oder „Johnny B. Goode” und Berry erzählt die Geschichte, wie er lernte mit den großen Jungs zu feiern. „When I was just a little boy like you, I wanted to do things the big boys do, wherever they went, they wouldn’t let me go ‘cause the big boys wouldn’t let me party with them”. Das er es natürlich doch noch geschafft hat, versteht sich von selbst. „Lady B. Goode“ schlägt erwartungsgemäß in die selbe Kerbe, ist es doch eine Art Sequel zu seinem wohl bekanntesten Song.

Als entspannter Shuffle tönt „You Go To My Head“, bei dem sich Chuck den Gesang mit seiner Tochter Ingrid Berry teilt und auf dem Pianist Robert Lohr die musikalische Führung übernimmt. Die bluesige Soulschnulze „Darlin‘“ steht dem früheren Wildfang außerordentlich gut, „Jamaica Moon“ kommt dann tatsächlich mit ganz leichten Reggae-Anleihen daher. „Eyes Of Man“ ist ein schweisstreibender Blueser, während der Walzer „3/4 Time (Enchiladas)“ offensichtlich eine Liveaufnahme aus früheren Jahren darstellt.

Und das ist es auch was man bemängeln könnte. „Chuck“ klingt stellenweise etwas zusammengestückelt. Die Stimme von Chuck Berry verändert sich des Öfteren und man fragt sich natürlich, welche Licks und Riffs der Altmeister gespielt hat und welche sein Sohn Charles Berry Jr..Trotzdem macht „Chuck“ vor allem eins: Spaß. Und das ist es wofür Chuck Berry seit den fünfziger Jahren, zumindest auf der Bühne, stand. Seine persönlichen Eskapaden wurden oft genug thematisiert. Warum allerdings in den letzten knapp 40 Jahren keine LP veröffentlicht wurde ist schon verwunderlich. Geschichten zu erzählen hatte der Mann offensichtlich noch genug.

Anspieltipps:

  • Wonderful Woman
  • Big Boys
  • Darlin’
  • Eyes Of Man

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