Kendrick Lamar - DAMN. - Cover
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Kendrick Lamar DAMN.


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 55 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Kendrick Lamar stellt sich überlebensgroßen Fragen und zeigt in bravouröser Manier, wie nah Extreme beieinander sind.

Dualität ist ein grundlegendes Problem für den menschlichen Verstand. Ob wir in Göttliches und Irdisches einteilen oder Yin und Yang: der Mensch sucht nach Gegensätzen. Dass diese Kritik im Internet lesbar ist, ist dem Binärsystem zu verdanken. Einsen und Nullen. Kendrick Lamar ist nach seinem Meilenstein „To Pimp A Butterfly“ ein konsequenter Schritt gelungen, der ihn als Musiker erdet und gleichzeitig in neue Sphären vorstoßen lässt. Mit der später erschienenen Collector’s Edition treibt Kendrick Lamar das Konzept auf die Spitze, indem er die Tracklist umdreht. Der Anfang ist das Ende, das Ende ein Anfang. Wer auf „To Pimp A Butterfly“ auf die selbstkritischen Töne in „u“ und „The Blacker The Berry“ achtete, den überrascht die Thematik auf „DAMN.“ nicht. Kendrick Lamar lädt uns in seine Gedankenwelt ein, die stets zwischen den Extremen wandelt.

Kaum ein Rapper der letzten kann auf einen kometenhaften Aufstieg wie Kendrick Lamar zurückblicken. „ m.A.A.d. City“ war der kommerzielle Durchbruch, der frei nach „Bitch, Don’t Kill My Vibe“ Lamars Welt zu einem Traum werden ließ. Auf seiner eigenen Jagd nach dem Glück ließ er eigenen Angaben zufolge seinen Heimatboden Comptopn aus dem Blick, wofür er auch musikalisch auf „To Pimp A Butterfly“ sühnte. Mit vielen Experimenten und Querverweisen an andere Größen zollte Lamar seinen Wurzeln Tribut und zeigte das in ihm lebende Chaos auch durch die Musik. Das Ergebnis war unsagbar interessant und vielfältig, aber für manche Geschmäcker vielleicht zu chaotisch.

Auf „DAMN.“ reduziert sich Lamar bewusst. Trotz überlebensgroßen Gästen wie Rihanna und, richtig gelesen, U2 besinnt sich „DAMN.“ auf scheinbar einfache Samples, die Lamars dichten Erzählungen einen eindringlichen Nährboden geben, der nicht von den Botschaften ablenkt. Mit einfachsten Methoden unterstützen heftige Bässe, Handclaps und übereinandergelegte Gesangsspuren Lamars Botschaften in der ersten echten Nummer „DNA.“. „DAMN.“ klingt wie ein Album, das im Prinzip jeder Musiker von der Straße hätte konzipieren können. Mit Lamars Gespür für Texte und die auf den Punkt gebrachte Produktion entsteht dadurch ein Album, das unmittelbare Nähe zu Hörern aufbaut.

Diese Mischung aus akribischem Songwriting und grundlegender Produktion passt ebenfalls zum Thema der Dualität, wenn Kendrick Lamar anprangert, dass andere uns aufgrund unserer Abstammung bewerten und wir letztendlich das Gleiche tun. Stolz und Vorurteil hängen auf „DAMN.“ von der Perspektive ab, die der Rapper uns präsentiert. Kendrick Lamar besingt sich in „HUMBLE.“ als den größten Rapper aller Zeiten, um sich gleichzeitig daran zu erinnern, dass er demütig bleiben muss, wenn er seinem Ruf gerecht werden will. Liebe, Vertrauen, Gemeinschaft und der pure Zufall landen unter Kendrick Lamars Lupe. Er schont dabei weder sich noch andere, sondern zieht die Welt zur Rechenschaft. Er ist Angeklagter und Kläger in einer Person und verurteilt sich, in der Hoffnung, dass andere seinem Beispiel folgen.

„DAMN.“ ist eine Ansammlung an Fragen und Beobachtungen, um die zu viele Künstler einen großen Bogen machen. Kendrick Lamar entfernt sich von der subjektiven Selbstschuld des vorangehenden Albums und stellt sich allgemeinen Fragen, ohne beliebig zu sein. Lamar bringt tiefgehende Fragen um Stolz, Loyalität, Religion und den Lebensstil seiner Ursprünge in einer Form ins Spiel, die der breiten Masse zugänglich sind. „DAMN.“ vollbringt das Kunststück zu beweisen, dass grundlegende Fragen ums Menschsein nicht der vermeintlichen Elite vorbehalten sind. Diese Leistung allein macht „DAMN.“ zu einem der wichtigsten Alben dieses Jahres. Dass Kendrick Lamar nebenbei unwiderstehlich gute Musik macht, ist ein Bonus, den nicht nur Rap- und HipHop-Fans schätzen werden.

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  • DUCKWORTH.
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