Jon Lord - Windows (Re-Release) - Cover
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Jon Lord Windows (Re-Release)


  • Label: earMusic/EDEL
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Bei gerade einmal zwei Titeln liegt der Teufel im Detail. Die Tonqualität macht die Musik und kratzt am Mammutprojekt von 1974.

Räumen wir den vermeintlichen Affront gegen Jon Lord in Form der (Punkt-)Bewertung aus dem Weg. „Windows“ ist ein ambitioniertes Werk. Die Aufführung ist mehr als ein bloßer Kniefall vor klassischer Musik. Jon Lord, seines Zeichens Deep Purple-Gründer, zeigte mit Projekten wie „Windows“, dass Populärmusik die Möglichkeiten inne hat, genauso komplex wie klassische Musik zu sein. Das Konzept hinter „Windows“ ist großartig, auch wenn die Aufführung mehr ein Spektakel als ein künstlerisch überragendes Werk ist. Neben der streitbaren Qualität von „Windows“ ist auf diesem Reissue die Tonqualität zu bemängeln, die das Album kaum vorangebracht hat. Auch über 40 Jahre nach der Uraufführung schmerzt, dass Hörer der Live-Aufnahme nicht ansatzweise die Qualität des Originals erfahren.

Der Ton hallt, klingt blechern und offenbart, wie ungünstig die Mikrofone bei dieser Aufnahme platziert waren. 1974 in München beklagte sich gewiss niemand, aber wer 2017 „Windows“ in den CD-Player schmeißt oder im Player laufen lässt, wacht erst nach 13 Minuten auf. „CONTINUO ON B.A.C.H.“ legt erst im Schlussspurt zu, was Tonqualität angeht, weil die modernen Rock-Instrumente dank höherer Lautstärke intensiver klingen. In den letzten drei Minütchen zeigt sich in Ansätzen, wie Lord zusammen mit Dirigent Eberhard Schoener eine Rock-Fuge zu ansprechender Wirklichkeit verwandelten. Die kleinen Details gehen auf der Aufnahme leider großteils verloren und die Wucht des vielköpfigen Orchesters lässt sich bestenfalls erahnen.

Das Hauptwerk „Window“ klingt durchgehend besser und zeigt mit erstaunlicher Virtuosität wie Funk, Jazz, Blues und Psychedelic Rock sich in orchestrale Musik einpflegen lassen. Die Musik selbst haut weniger vom Hocker, doch wie die einzelnen Stile ineinander übergehen und zusammengebracht werden, ist auch 2017 eine grandiose Leistung. Warum das Album nicht für moderne, ungeduldige Ohren ein paar Feinschliffe und Extras in Form von einer Aufteilung in mehr Titel genießen darf, sei dahingestellt. Das künstlerische Werk steht im Vordergrund und Genießer freuen sich, dass keine künstliche Pause vorhanden ist. Genießer tun sich gleichzeitig mit der Tonqualität schwer, die ein plattes Erlebnis liefert, das 1974 unsagbar pompöser und eindrucksvoller geklungen haben muss.

„Window“ ist aufgrund der schwachen Tonqualität ein Album für Sammler und jene, die Lords Werke genau studieren. Für einen Hörgenuss, der dem Arrangement gerecht wird, reicht auch das Reissue-Album nicht. Im Bestfall erinnert uns diese Neuauflage daran, was Jon Lord dieser Welt gegeben hat und versinken für ein paar Tage in einigen Deep Purple-Platten und achten genau auf jeden einzelnen Ton. Eine schönere Form der Ehrerbietung dürfte es für Musiker nicht geben.

Anspieltipps:

  • Window

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