Böhse Onkelz - Live In Dortmund II - Cover
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Böhse Onkelz Live In Dortmund II


  • Label: Matapaloz/Tonpool
  • Laufzeit: 113 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
7.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit dem „Memento“-Album im Gepäck, spielten die Onkelz 19 Konzerte in zehn Städten. In Dortmund waren sie am 24. und 25. November 2016 zu Gast.

Mit dem Album „Memento“ (10/2016) legten die Böhsen Onkelz nach mehr als einer Dekade Plattenpause ihr lange Jahre nicht für möglich gehaltenes Comeback-Werk vor, das auch unter beinharten Fans kontrovers diskutiert wurde, weil die Mannen um Stephan Weidner ihren ursprünglichen Sound nicht einfach so kopierten. Oder sind die Onkelz gar nicht mehr in der Lage, Musik zu machen, wie wir sie von ihren Longplayern aus den 80er und 90er Jahren kennen? Theorien und Meinungen dazu gibt es viele. Doch währen die Fans noch heiß diskutierten, begaben sich die Böhsen Onkelz im November 2016 auf ihre erste Tournee nach den 2004er „La Ultima“-Konzerten, um das zu tun, für das sie ihre Fans auch heute noch ausnahmslos feiern: Live spielen.

Zwei Dutzend Songs standen auf der Setlist für 19 Hallen-Gigs in Frankfurt, Dortmund, Wien, Stuttgart, Hannover, Zürich, Berlin, Leipzig, Hamburg und München. Dort mussten sich ausgewählte „Memento“-Songs wie „Gott hat ein Problem“, „Jeder kriegt, was er verdient“ oder auch „Auf die Freundschaft“ der Live-Probe stellen und dem internen Wettstreit mit zahlreichen Band-Klassikern wie „Danke für nichts“, „Lieber stehend sterben“, „Nur die besten sterben jung“, „Wieder mal ‘nen Tag verschenkt“ und „Mexico“ standhalten. Wie dies ausgegangen ist, kann nun auch derjenige erleben, der nicht auf einem der Konzerte war. Denn als Expertise für die Live-Qualitäten der Böhsen Onkelz anno 2016 liegt nun ganz frisch das Doppelalbum „Live in Dortmund II“ vor, das den geschichtlichen Faden aufnimmt und an das legendäre 1997er Werk „Live in Dortmund“ (08/1997) erinnert.

Wie es sich für die junge digitale Generation gehört, liegt der Live-Mitschnitt aus der Dortmunder Westfalenhalle 1 in einem Klangbild vor, das fast schon Studioqualitäten besitzt. Druckvoll, klar und ohne nennenswerte Störgeräusche walzen die Songs aus den Lautsprechern alles platt, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Dass das Live-Publikum dabei etwas in den Hintergrund gerät und nur zwischen den Songs – und das meist auch nur sehr schwach – zu hören ist, ist der Nachteil so einer Edel-Produktion. Das perfekte Live-Album ist und bleibt eben eine Wissenschaft für sich, an der sich seit jeher die Geister scheiden.

Doch wie dem auch sein. „Live in Dortmund II“ ist eine starke Standortbestimmung, die in nicht ganz zwei Stunden Spielzeit zeigt, dass es die Onkelz noch können. Mit einem erstmalig nüchternen Kevin Russell am Mikro und einem ausgewogenen Verhältnis aus Klassikern und neuen Stücken, knüpfen sie an alte Zeiten an. Drauf, dass es nur schwer möglich sein würde, die Gefühle von vor 30 Jahren zu reproduzieren, konnte sich der Hörer schon mit den „Memento“-Veröffentlichung einstellen. Aus diesem scheinbaren Konflikt macht die Band, in Würde gealtert, das Beste. Die noch immer zahlreichen Fans wird es freuen. In diesem Sinne: „Wir ham‘ noch lange nicht genug“!

Anspieltipps:

  • Mexico
  • Dunkler Ort
  • Danke für nichts
  • Finde die Wahrheit
  • Lieber stehend sterben
  • Wo auch immer wie stehen
  • Gehasst, verdammt, vergöttert
  • Wieder mal ‘nen Tag verschenkt
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