Alison Moyet - Other - Cover
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Alison Moyet Other


  • Label: Cooking Vinyl/Sony Music
  • Laufzeit: 42 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Wie ein Virus will Alison Moyet sich in unseren Köpfen ausbreiten. Dafür brauchen Hörer Synthie-Sympathien.

Guten Pop zu machen, ist dieser Tage schwer. Höher, lauter, pompöser ist die Devise und auch Alison Moyet nimmt sich von diesen Zielen nicht aus. „Other“ ist eine Ansammlung aus 10 Pop-Bombasten. Understatement überlasst Moyet anderen Musikern. Statt dabei modernen Trends nachzurennen, klingt „Other“ mehr nach einer Kombination aus Höhepunkten der 80er und 90er. Kein Wunder, da diese Episode den Höhepunkt Moyets Karriere darstellt. Eingefleischte Fans freuen sich, dass Moyet sich treu bleibt, ohne komplett stillzustehen. Das ist über 30 Jahre nach „Alf“ durchaus eine Leistung. Dass Alison Moyet Jahrzehnte später weiterhin auffällt und weitestgehend gefällt, ist ihrer einzigartigen Stimme geschuldet.

Das heißt im Umkehrschluss folgerichtig, dass die Musik im Hintergrund zurecht im Schatten der Sängerin steht. Die synthetischen Pop-Landschaften hinter „The English U“ versuchen gar nicht erst interessant zu sein. Ohne Überraschungen untermalen Keyboard, Bass, Drums und immer wieder Streicher Alison Moyets Stimme so, wie die Stimmung der Stimme es gebietet. Hier liegt die Kernkritik an „Other“ begraben. Das Album bietet keinerlei Überraschungen und schrammt dadurch oftmals an vorgezeichnetem Kitsch vorbei. „The Rarest Birds“ ist eine kraftvolle Hymne, die im Chorus unter dem Regenschirm des Könnens hervorlugt und Kitschtropfen abbekommt. Moyets Stimme sprüht vor Charakter, doch die Musik im Ganzen hat dauerhaft etwas äußerst Künstliches an sich.

Die gute Nachricht ist, ist dass der Star der Show, Moyets Stimme, die Zügel nicht aus der Hand gibt. Irgendwie schafft die Musikerin es, dass unglaublich altbacken klingende Titel wie „Reassuring Pinches“ im „Other“-Kosmos Sinn ergeben. Die große Klasse bleibt dabei aus und Experimente wie das Spoken-Words-Stück „April 10th“ sind überflüssig. Das bricht „Other“ zu keinem Zeitpunkt das Genick, aber bringt das Hörvergnügen zum Stocken. Wer sich für den bewusst altmodischen Stil des Albums begeistert und in „Happy Giddy“ und Co. die 80er aufleben lässt, stört sich trotzdem an Stolpersteinen. Eine Spur weniger Pathos und versteckte Anspielungen auf DubStep-Einflüsse hätten „Other“ gut getan und ein einzigartig merkwürdiges Meisterwerk bedeutet. Das Ergebnis ist trotzdem etwas, was heute nicht mehr vielen Musikern gelingt: guter Pop.

Anspieltipps:

  • The Rarest Bird
  • Happy Giddy
  • Reassuring Pinches

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