Lambert - Sweet Apocalypse - Cover
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Lambert Sweet Apocalypse


  • Label: Mercury/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 37 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit seinem vierten Werk ist der Maskenmann aus Berlin auf einem Majorlabel angekommen.

Wer gedacht hat, dass nur Deutsch-Rapper wie Cro oder früher Sido komische Masken tragen, sieht sich spätestens jetzt mit dem Wahl-Berliner Pianisten Lambert eines Besseren belehrt. Dieser tauchte vor gut drei Jahren mit seinem selbstbetitelten Debütalbum erstmals in der Öffentlichkeit auf und tarnte sich mit einer sardischen Stier-Maske, um, wie Lambert sagt, nicht von seiner Musik abzulenken. Jene erhielt in der Fachpresse durchweg gute Bewertungen und wurde wohlwollend als junges deutsches Gegenstück zum Neo-Classic-Crossover eines Nils Frahm oder auch Chilly Gonzales gesehen.

Nachdem die ersten drei Werke von Lambert ungewöhnlicherweise auf dem Berliner Indie-Label Staatsakt Records erschienen, auf dem eigentlich alles, nur keine klassische Musik zuhause ist, ist der vermutlich 34-Jährige (bei Lambert wird aber auch aus jeder Kleinigkeit ein Geheimnis gemacht!) nun beim frisch gegründeten Londoner Decca-Sublabel Mercury KX unter Vertrag. Inwiefern sich der Status als Majoract auf die öffentliche Wahrnehmung des Pianisten auswirken wird, muss beobachtet werden. Die coolen Indie-Zeiten sind jedenfalls vorbei und mit sicherlich mehr Budget in der Tasche ergeben sich ab sofort ganz neue Möglichkeiten.

So fällt auf, dass mit der Unterstützung von Sebastian Borkowski, Jason Liebert, Felix Weigt und Luca Marini nun auch dezente Streicher- und Bläser-Arrangements in die Kompositionen auf „Sweet Apocalypse“ Einzug gehalten haben, die wie gehabt sehr melancholische Klaviermusik als Basis haben, was aufgrund der Hintergrundgeschichte des 37 Minuten kurzen Longplayers nicht unbedingt zu erwarten war. Denn „Sweet Apocalypse“ setzt sich mit verschiedenen Lebensängsten des Menschen auseinander, auch wenn es nicht gleich der Untergang der Welt sein muss. Und dennoch: Der Alltag eines jeden Menschen bietet genügend Arten von Angst, die das Leben erschweren.

Lamberts Musik wirkt in erster Linie beruhigend auf den Hörer ein, ohne ihn auf diese Weise einschläfern zu wollen, zumal dies die Lust an den feinen Details von Lamberts Pianospiel eh verhindern sollte. Deshalb hat Lambert auch keinen Bombast in Form eines Film-Scores nötig, um den Hörer bei der Stange zu halten. Nichtsdestotrotz muss sich der Hörer darauf einlassen wollen, was Lambert mit seiner Musik ausdrücken will, wenn er zwischen Klassik und moderaten Jazz-Einschüben seiner süßen Apokalypse mit romantischen Klavierklängen frönt.

Anspieltipps:

  • Blik
  • Signals
  • The end
  • A thousand cracks
  • In the dust of our days
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