Jim Jones & The Righteous Mind - Super Natural - Cover
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Jim Jones & The Righteous Mind Super Natural


  • Label: Hound Gawd!/Broken Silence
  • Laufzeit: 47 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Jim Jones & The Righteous Mind erforschen mit dem bedrohlichen, aufbrausend-tosenden „Super Naturel“ die dunkle Seite der Rock & Roll-Macht.

Jim Jones fühlt sich dem Garagenrock verpflichtet. 1987 gründete er in London die Band Thee Hypnotics, die aufgrund ihrer harten, rauen Gangart im Zuge der Grunge-Bewegung Aufmerksamkeit erlangte. Die Vorbilder der Musiker waren sowohl im Garagenrock der 1960er Jahre (The Sonics, The Seeds) wie auch im Proto-Punk der frühen 1970er Jahre (MC5, The Stooges, New York Dolls) und im Underground Blues-Rock der 1980er Jahre (The Birthday Party, The Gun Club, Motor Boys Motor) zu finden.

Nachdem Jones 1994 Thee Hypnotics auflöste und parallel in der Band Black Moses tätig war, konzentrierte er ab 2007 seine Aktivitäten auf die Jim Jones Revue, die er unter anderem mit Rupert Orton, dem Bruder der Singer-Songwriterin Beth Orton, betrieb. Außer den schon vorher praktizierten Einflüssen besann sich das Projekt auf die Rock & Roll-Wuzeln und orientierte sich zusätzlich an Little Richard oder Jerry Lee Lewis. Was für die Durchschlagskraft keinen Nachteil darstellte und die Songqualität sogar noch erhöhte. Nach vier Alben war dann jedoch 2014 leider Schluss. Aber jetzt gibt es mit Jim Jones & The Righteous Mind eine Fortsetzung in dem Bestreben, die dunkle Seite des Rock & Roll aufzuspüren und zu bewahren. Mit von der Partie ist bei diesem Vorhaben Gavin Jay am Bass, der schon bei der vorigen Besetzung dabei war. Ansonsten helfen noch Joe Glossop (Keyboards), Phil Martini am Schlagzeug sowie David Page (Pedal Steel-Guitar und Theremin) mit, die Vision umzusetzen.

„Dream“ zündet alle Stufen der Trägerrakete gleichzeitig und begibt sich mit Hilfe von mächtigem, großspurigem Rhythm & Blues, The Stooges-Boogie und psychedelischem Rock & Roll direkt in den Orbit. Jones lässt das Untier raus und seine Stimmbänder scheinen kurz vorm Bersten zu sein. „Base Is Loaded“ lässt gesanglich an Tom Waits denken und Boogie-Blues gegen Hard-Rock antreten. Der Wettkampf endet unentschieden, denn beide Positionen kommen zu ihrem Recht. „Something' s Gonna Get It Hands On You“ geht als Entwurf einer Ballade durch, der dann aber doch explosiv ausfällt und in eine panische Freak-Show umschlägt. Bei „No Fool“ gurgelt Jim seinen Gesang gepresst und gequält zwischen den monotonen, punkigen Blues-Rock Noten hindurch. Wenn er „I Love You With All My Heart“ rausdrückt, ist nicht klar, ob das nun ein Kompliment oder eine Drohung sein soll.

Ein hastiges Jazz-Piano-Intro leitet den apokalyptisch wirkenden Höllenritt von „Aldecide“ ein und für „Boil Yer Blood“ sind Elemente von Creams „Sunshine Of Your Love“ in den schweren, rumpelnden Blues einbezogen worden. Für „Shallow Grave“ wird eine knisternde Spannung aufgebaut. Hier findet sich das klirrendsplitternde Piano aus „Heartbreak Hotel“ von Elvis Presley wieder.

„Heavy Lounge #1 “verkörpert alles andere als Easy-Listening Stimmung. Der Track strahlt bösartige Unruhe aus oder das Gefühl, von Dämonen verfolgt zu werden. Dr. Jekyll & Mr. Hyde scheinen in Jim Jones sowieso um die stimmliche Herrschaft zu ringen. Auch bei „Till It's All Gone“ gibt es sachlich gestimmte Gesangspassagen und Momente, bei denen der Wahnsinn nach dem Musiker zu greifen scheint. Die abschließende, unheimliche, dunkle, intime, zerrissene Ballade „Everyone But Me“ wäre genauso als Blues- wie auch als Jazz-Version denkbar.

In der Tradition der Stooges und der Beasts Of Bourbon gibt es nur wenige so effektive, brutal druckvolle Rock & Roll-Bands, die nicht nur für heftigen Alarm sorgen, sondern auch gute Songs abliefern. Jim Jones lässt mit „Super Nature“ ein Monster von der Leine. Das ist eine Lehrstunde für alle Möchtegern-Rocker, die der Meinung sind, dass Lautstärke und Schnelligkeit alleine ein Garant für Aggressivität und Bissigkeit sind. Ein guter Song bleibt eben ein guter Song. Und der sollte Ausgangspunkt von jeglichem musikalischen Handeln sein. Stimmt die Substanz, dann darf die Komposition auch gerne aufgebrochen werden, riskant erscheinen oder gedehnt werden.

Jim Jones befindet sich mit seiner Musik in guter Gesellschaft mit Tex Perkins (Beasts Of Bourbon, The Cruel Sea). Beide Frontmänner haben eine einnehmende, starke Gesangspersönlichkeit mit durchdringender Reibeisenstimme, die jederzeit zu Exzessen bereit ist. Das ist in dieser Form schon sehr beeindruckend und in seiner unbeirrbaren Konsequenz beachtlich. Der Rock & Roll wird hier in all seiner Herrlichkeit und stimulierenden Wirkung explosiv, radikal, mysteriös und packend gefeiert.

Anspieltipps:

  • Dream
  • No Fool
  • Aldecide
  • Shallow Grave
  • Everyone But Me

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