Alice Cooper - Paranormal - Cover
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Alice Cooper Paranormal


  • Label: earMusic/EDEL
  • Laufzeit: 67 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

„I´m a hungry man, but I don´t want Pizza! I´ll blow down your house and then I´m gonna eat ya!“

Knapp sechs Jahre nach seinem letzten, nur wenig überzeugenden Studioalbum „Welcome 2 My Nightmare“ (09/2011), meldet sich Vincent Damon Furnier (69) alias Alice Cooper mit einem neuen Werk namens „Paranormal“ zurück. Aufgenommen hat er es standesgemäß mit seinem Stammproduzenten Bob Ezrin (u.a. 30 Seconds To Mars, David Gilmour, Deep Purple, KISS, Pink Floyd) sowie prominenter Unterstützung von Larry Mullen (U2), Roger Glover (Deep Purple) und Billy Gibbons (ZZ Top), wobei die beiden letztgenannten nur in zwei Songs zu hören sind, während der U2-Drummer gleich in neun Songs die Felle gerbt.

Darüber hinaus hat Alice Cooper mit Dennis Dunaway (Bass), Neal Smith (Drums) und Michael Bruce (Gitarre) die alten Recken seiner ersten Band reaktiviert, die über einige Tracks des Doppelalbums verteilt zu hören sind und zwei Songs mitgeschrieben haben. Ein Doppelalbum ist „Paranormal“ aber nur deshalb geworden, weil auf dem zweiten Silberling ein halbes Dutzend Klassiker untergebracht wurden, die im vergangenen Jahr in Columbus, Ohio, mit der aktuellen Alice-Cooper-Band live dargeboten wurden. So hat es den Anschein, dass hier noch einmal alle Register gezogen werden, um die Marke Alice Cooper in den Fokus zu rücken, wie es zuletzt Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre der Fall war.

Um die Relevanz der Vergangenheit zu erreichen, musste in Anbetracht der schwachen letzten Studioalben dringend etwas passieren. Vielleicht hat sich Alice Cooper deshalb ein paar Songs seiner frühen Alben angehört. Denn durch den Rausch der Jahrzehnte hat der 69-Jährige gewiss nicht mehr alle Details griffbereit, die ihn als Schockrocker zur Berühmtheit werden ließen. Wir reden von Hardrock, der direkt aus der Garage zu kommen schien und nicht von hochglanzpolierten Liedern für das Formatradio, die gewiss auch ihren Reiz hatten („Poison“). Außerdem schließt der räudige Charakter der alten Songs nicht aus, dass auch diese catchy und groovy sein dürfen.

Für Alice Cooper bestand nun die Kunst darin, den Geist der Siebziger in die 2017er Songs zu transportieren. Und das ist ihm, um es vorwegzunehmen, auch gelungen. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass „Paranormal“ auch ein großer Wurf geworden ist. Das verrät allein schon ein Blick auf die Songs der zweiten CD. Hier tummeln sich Großtaten wie „School’s out“, „No more Mr. nice guy“ oder auch „Only women bleed“. Ein Song dieser Güteklasse findet sich auf „Paranormal“ leider nicht. Und trotzdem ist dieses Album um Längen besser, als die letzten Outputs passionierten Hobby-Golfers.

Das liegt beispielsweise an Stücken wie dem psychedelischen „The sound of A“, dem forsch treibenden Titeltrack, dem Punk-inspirierten „Rats“ oder dem atmosphärischen „Paranoiac personality“. Hier erleben wir Alice Coopers Gespür für gut abgehangenen Hardrock, der trotzdem seine Daseinsberechtigung im Hier und Jetzt hat. Das haben wir lange vermisst. Doch nun ist ein Anfang gemacht worden, den Rockdampfer wieder auf Kurs zu bringen. Aktuell schreiben Bob Ezrin und Alice Cooper bereits neue Songs. Wir dürfen gespannt sein, ob die Richtung von „Paranormal“ beibehalten wird.

Anspieltipps:

  • Rats
  • Fireball
  • The sound of A
  • Paranoiac personality
  • You and all of your friends
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