Steven Wilson - To The Bone - Cover
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Steven Wilson To The Bone


  • Label: Caroline/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 59 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
8.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Nanu, Herr Wilson? Progressive Rock goes Pop und wieder zurück.

Steven Wilson hat es mit seinen letzten Alben geschafft, trotz progressiver Musik, ein immer breiteres Publikum anzusprechen und sich damit gewissermaßen im Mainstream platziert, ohne massenkompatibel zu sein. „The Raven That Refused To Sing“ und „Hand.Cannot.Erase“ konnten sowohl bei Kritikern, als auch beim Publikum gut abschneiden (beide Platz 3 in den deutschen Album-Charts). Und so nimmt sich Wilson für seinen neuen Longplayer alle Freiheiten. „To The Bone“ ist seine Hommage an aus seiner Sicht gute Popmusik eines Peter Gabriel und Bands wie Talk Talk oder auch Tears For Fears.

Der Titelsong eröffnet das Album dann auch direkt mit einem Gabriel-Zitat. Das Intro fischt im Soundspektrum von „Sledge Hammer“ und Steven Wilson zeigt, dass auch heute gute Popmusik mit echten Instrumenten gemacht werden kann und sich nicht mit virtuellen, immer gleich klingenden Sounds zufriedengegeben werden muss. Hier hört man ein mit viel Spielwitz vorgetragenes Schlagzeug, groovende Gitarren und atmosphärische Keyboards. Hoffnungsvoll und beinahe fröhlich klingt „Nowhere Man“, welches die Beatles mit späteren Bowie-Werken verbindet und die Prog-Rock-Vergangenheit nicht wirklich leugnen kann. Eine Stimmung, die man von Steven Wilson eher selten geboten bekommt.

„Pariah“ setzt dagegen mehr auf Atmosphäre. Die erste Kollaboration mit Gastsängerin Ninet Tayeb ist poppig, eingängig und natürlich auch mit einer tollen Klangwelt ausgestattet. Wenn man ehrlich ist, zieht sich der Song aber doch etwas hin und ist nicht wirklich weltbewegend. Da hilft auch der erlösende Ausbruch nach dreieinhalb Minuten nichts mehr. Das kennt der Fan schon zur Genüge. Danach wird es etwas rockiger. „The Same Asylum As Before“ erinnert mit leichtem Americana-Flair und Slide-Gitarren an Tom Petty, Wilsons hoher Gesang transportiert den Song allerdings gekonnt in die heutige Zeit. Durch die späteren, harten Riffs gesellen sich dann noch Einflüsse aus Hard- und Prog-Rock hinzu.

„Refuge“ liefert atmosphärisches Prog-Kino, das insbesondere Fans der letzten beiden Alben zufriedenstellen dürfte. während „People Who Eat Darkness“ trotz ebenfalls vorhandener progressiver Elemente eher straighter zur Sache geht. „Permanating“ linst wiederum mit tanzbarem Beat und beatleesken Strukturen in die Indie-Disco. Der kürzeste Song, „Blank Tapes“, verbindet abermals den Beatles-Kosmos mit modernen Stilmitteln und Sophie Hunger ist im sphärischen, aber etwas zu verkopften „Song Of I“ zu Gast, bevor das ruhig beginnende „Song Of Unborn“, nach dem fast zehnminütigen mit allerlei Elektrospielereien versehenen und bedrohlichen „Detonation“, das Album beendet.

Fazit: So richtig glauben sollte man Steven Wilson vielleicht doch nicht, wenn er sagt, dass „To The Bone“ ein reines Pop-Album geworden sei. Die poppigen Elemente sind zwar nicht zu überhören, aber seinen progressiven Background kann er nach wie vor nicht verleugnen. So klingt „To The Bone“ streckenweise wie ein deutlich zu verkopftes Pop-Werk. Trotzdem ist es vielen anderen Outputs dieses Genres überlegen, die oft nur aus austauschbarer Massenware bestehen.

Anspieltipps:

  • Nowhere Man
  • The Same Asylum As Before
  • Blank Tapes
  • People Who Eat Darkness

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