Cro - tru. - Cover
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Cro tru.


  • Label: Chimperator/Groove Attack
  • Laufzeit: 96 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Cro ist erwachsen geworden und scheißt ab sofort auf Money, Bitches und Karrierescheiß. Na ja, zumindest ein bisschen.

Carlo Waibel (27), besser bekannt als Pandamasken-Rapper Cro, wurde vor zwei Jahren die Ehre zu Teil, nach gerade einmal zwei veröffentlichten Studioalben („Raop“ aus dem Jahr 2012 und „Melodie“, das zwei Jahre später folgte) ein „MTV Unplugged“-Album aufnehmen zu dürfen. Damit ist er der bis dato jüngste Act, der jemals ein Unplugged-Konzert spielte. Nichtsdestotrotz schienen die Maßstäbe für Cros Berufung etwas verrutscht zu sein. Denn trotz aller kommerziellen Erfolge seiner Singles und Alben, war dieser Ritterschlag für den Teenie-Pop-Rapper schlicht und einfach zu früh und der Inhalt des „MTV Unplugged“-Albums zu dünn.

Nachdem sich Cro nach „MTV Unplugged“ eine kleine Auszeit gegönnt hatte, nahm er die Arbeit an seinem dritten Studioalbum auf, das lange Zeit mit dem Titel „fake you“ (die Kleinschreibung ist bewusst gewollt) angekündigt, aber dann, vier Wochen vor der Veröffentlichung, in „tru.“ umbenannt wurde. Mit 20 Songs fällt „tru.“ ungewöhnlich üppig aus und bietet mit gut 96 Minuten sogar mehr Spielzeit, als die beiden Vorgänger zusammen aufweisen können. Scheinbar hat Cro also richtig was zu sagen. Oder es fehlt ihm bzw. seinem Umfeld das richtige Maß. Denn weniger ist und bleibt in neun von zehn Fällen einfach mehr.

Nach fünf extrem erfolgreichen Jahren war es vorauszusehen, dass Cro auf seinem neuen Werk die zurückliegenden Zeiten verarbeiten würde und die Pressetextschreiber das Standardklischee vom „bisher persönlichsten Album“ aus der Schublade kramen konnten. Denn ab sofort gilt Carlo Waibel als erwachsen, der seinen Teenie-Rap gegen selbstreflektierte Songs über Liebe, Gefühle, Zweifel, Ängste, Nähe, Freiheit, Wünsche und Selbstverwirklichung ausgetauscht und dazu deutlich hörbar auch musikalisch bzw. stilistisch an der Schraube gedreht hat.

So wirkt „tru.“ in der Tat geerdeter und gleichzeitig künstlerisch verspielter, aber auch ruhiger und nicht mehr so stark am Mainstream-orientiert. Hier fand also wirklich eine Entwicklung statt, die den Fan-Girlies der ersten beiden Alben vermutlich nicht gefallen wird, auch wenn sie zusammen mit Cro älter geworden sind. Dieser konstatiert „scheiß auf Money, scheiß auf Bitches und Karrierescheiß / ich wurde nicht, weil ich gut ficke, bei den Apes gesignt“ („unendlichkeit _main edit“) und trimmt seine Songs konsequent auf Atmosphäre („computiful“) und bedient damit freilich auch den Zeitgeist.

Mehr Soul, dafür weniger Pop und im Rahmen seiner Möglichkeiten mehr Tiefgang in den Texten: Cro hat sich musikalisch verändert und tut dies auf „tru.“ mit einem 20 Songs umfassenden Brocken kund. Dass dies aus dramaturgischer und gewiss auch aus qualitativer Sicht too much sein würde, war zu erwarten. Stücke wie „Alien“ oder auch „my life“ kommen über einen Lückenfüller-Status jedenfalls kaum hinaus. Überhaupt zieht sich die zweite Hälfte des Doppelalbums über weite Strecken hin wie Rotz. Das gibt Abstriche in der Gesamtnote, aber insgesamt Lob und Anerkennung für den Mut zur Weiterentwicklung.

Anspieltipps:

  • 2kx
  • todas
  • fkngrt
  • computiful
  • unendlichkeit
  • forrerst gump
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