Trevor Sensor - Andy Warhol´s Dream - Cover
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Trevor Sensor Andy Warhol´s Dream


  • Label: Dead Oceans/CARGO
  • Laufzeit: 37 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Trevor Sensors gepresste, gebrochene Stimme lässt keinen Raum für Zwischentöne. Liebt oder hasst ihn!

Placebo-Fans singen ein Lied davon, dass Stimmen etwas Besonderes sind. Brian Molkos Stimme lieben oder hassen Hörer. Wirklich egal ist diese nasale Stimme niemandem. Trevor Sensor macht komplett andere Musik und ist doch mit Brian Molko und den vielen einzigartigen Stimmen der Musikwelt verwandt. Kratzend, unsauber und angestrengt drückt, säuselt und schreit Sensor seine Texte. Der junge Mann aus Illinois ist dem Americana verfallen, der seine größten Liebschaften Folk und Country nennt. Ja, Sensor klingt altmodisch. Nicht nur aufgrund seiner rauen Stimme werden viele Hörer dem Mann aus dem 94er-Jahrgang eine größere Reife bescheinigen.

„The Reaper Man“ ist einer dieser Songs auf „Andy Warhol’s Dream“, der vor 40 Jahren genauso geklungen hätte. Die Zeitreisen auf der LP sind nett anzuhören, aber die Stärke des Musikers liegen woanders. Ähnlich wie die Arctic Monkeys entsteht aus der Leidenschaft für alte Musik im besten Fall etwas Zeitloses. „Stolen Boots“ und der Opener „High Beams“ sind Beispiele dafür, dass junges Blut alte Ideen aufgreift und umwandelt. Das funktioniert nicht zu jedem Zeitpunkt. Ausgerechnet der Titeltrack übertreibt es mit den Genre-Einflüssen und kommt als gewollter Oldtimer unter die eigenen Räder.

Die Stärken auf „Andy Warhol’s Dream“ überwiegen letztlich, weil Trevor Sensor die Vorbilder meistens konzentriert bündelt. Der Höhepunkt dieser Leistung ist wahrscheinlich „It Wasn’t Good Enough“. Der Titel ist eine Ballade zum Schwelgen und Träumen. Zum großen Finale nach gut zwei Minuten will man sich wildfremde Mithörer schnappen und in den Arm nehmen. Viel mehr braucht Musik nicht zu erreichen. Sensor reißt mit („Sedgwick“), legt die Füße hoch („In Hollywood, Everyone Is Plastic“) und lässt Hörer die Zeit vergessen („Stolen Boots“).

Trevor Sensor bietet einige glänzende Höhepunkte, die „Andy Warhol’s Dream“ zu einem gelungenen Debüt machen. Konzentriert und stilsicher fährt Sensor das Album nach Hause. Mit etwas mehr Mut löst er sich von den gezwungen klingenden Stücken, wobei diese auch nie schlechter als Mittelmaß sind. Kurzum: „Andy Warhol’s Dream“ lässt eine große Menge Potenzial erahnen, das der junge Mann hoffentlich noch zutage fördert. Bleibt nur zu hoffen, dass viele Menschen sich von seiner eigenartigen Stimme angesprochen fühlen.

Anspieltipps:

  • It Wasn’t Good Enough
  • Sedgwick
  • In Hollywood, Everyone Is Plastic
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