Arcade Fire - Everything Now - Cover
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Arcade Fire Everything Now


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 47 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

„Everything Now“ ist eine konsequente Fortsetzung von „Reflektor“. Die Stärken sind ausgefeilter, die Schwächen gravierender.

Die große Referenz war von der Titel gebenden Auskopplung an klar: ABBA. Und obwohl Arcade Fire auf „Everything Now“ im Titeltrack und noch direkter während „Put Your Money On Me“ der schwedischen Erfolgsgruppe huldigen, ist das neue Album eine konsequente Fortsetzung des Vorgängers „Reflektor“. Durch wiederkehrende Themen und Motive erschaffen Arcade Fire wie auf allen ihren Alben einen Bogen zurück zum Ausgang. Was früher „Neighborhood“, „The Suburbs“ und „Here Comes The Night Time“ waren, sind diesmal „Everything Now“ und „Infinite Content“. Arcade Fire folgen einer Formel und das zeigt sich auf der neuen LP. Das bedeutet das Ausbleiben einer Revolution oder einer Rückkehr. Es bedeutet, dass Arcade Fire weiter ihr Ding machen.

Um eines klar zu stellen: Arcade Fire sind eine der besten Bands ihrer Generation. Wer Alben wie „Neon Bible“ kreiert und auf dem Debüt das nahezu makellose „Neighborhood“-Quartett erschafft, der muss nichts beweisen. Die größte Überraschung an Arcade Fire ist, dass sie das hohe Niveau durchgehend gehalten haben. Dass „Reflektor“ und „Everything Now“ mehr Angriffsfläche bieten, liegt an steigenden Erwartungen und größeren Ausreißern nach oben. So wie auf dem Vorgänger sind keine Flauten vorhanden, viel mehr erblassen lediglich gute Lieder neben den Höhepunkten. So wie „Flashbulb Eyes“ auf „Reflektor“ unterging, wird es diesmal „Peter Pan“ ergehen. In den Augen und Ohren des Verfassers dieser Zeilen ist das ein kleines Verbrechen, aber Arcade Fire, haben von Beginn an Hörer auf ganz verschiedene Weisen angesprochen.

Wo „Neon Bible“, „106728Funeral“ und auch noch „The Suburbs“ ein einheitliches Publikum ansprachen, sind die neueren Alben stilistisch derart vielfältig, dass sie gar nicht jedem gefallen können. Einzelne Lieder zu lieben, fällt auf „Everything Now“ leichter denn je. Bis auf den Spaß-Rocker „Chemistry“ ist jedes vollwertige Lied auf „Everything Now“ in sich geschlossen genau das, was es sein will. Die abgeklärten Disco-Hymnen „Signs Of Life“ und „Put Your Money On Me“ tauchen uns in Neonlicht und wehen uns den zu starken Wind der Klimaanlage in den verschwitzten Nacken. Dabei zeigt sich Arcade Fire typisch verliebt in die eigenen Melodien und lässt relativ einfachen Strukturen manchmal einen Tick zu viel Zeit. „Signs Of Life“ und „Electric Blue“ brauchen beide keine 4 Minuten, um sich zu entfalten, aber Arcade Fire wollen nicht loslassen.

Arcade Fire klingen wieder anders und doch gleich. Sie wählen in Liedern wie „We Don’t Deserve Love“ und „Peter Pan“ weiter unkonventionelle Wege, um ihre Lieder zu etwas Besonderem zu machen, aber sind sich nicht für eingängige Hymnen zu schade. Wenn die übertriebenen Hymnen und die verquerten Synthie-Ausflüge diesmal den Abschluss der Disco-Phase darstellen, wäre das ebenfalls nur konsequent. Die großen Überraschungen fehlen auf „Everything Now“. Zum Ausgleich ist das Album weitaus zugänglicher geraten. Auf „Everything Now“ scheint die Band jene Pfade zu ergründen, die auf Reflektor nicht ganz gepasst haben. Vielleicht wären Arcade Fire bereits für einen neuen Stil bereit. Der kalte Synthie-Klang passt jedoch zur Konsumkritik und der emotionalen Trennung zwischen vielen Menschen. „Everything Now“ hat den Beigeschmack einer Zugabe. Aber wenn dieser Geschmack so bittersüß und der Sound so hochklassig wie bei Arcade Fire ist, dann ist das mehr als in Ordnung.

Anspieltipps:

  • Put Your Money On Me
  • Creature Comfort
  • Peter Pan

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