OMD - The Punishment Of Luxury - Cover
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OMD The Punishment Of Luxury


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 43 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Album-Titel trifft den Nagel auf den Kopf! Das ist kein Lob für OMD.

Einen Musikengpass erleben wir in naher Zukunft nicht. Heute finden sich mehr Musiker denn je. Wer die aktuellen Charts nicht mag, findet unzählige Nischen, die für jeden Geschmack etwas bereithalten. In Zeiten unermesslicher Auswahl haben alte Vorreiter oft das Nachsehen. OMD galten als Pioniere des Synthie-Pops. Die Zeiten des Wave sind allerdings gezählt und die Einflüsse vielfach mutiert. Der Luxus des Überflusses trifft OMD ausgesprochen hart, da Synthie-Rock zurzeit einen sehr angestaubten Klang bietet. Die Ausnahmen gelungener Retro-Revivals ist überschaubar. Daft Punk haben auf „Random Access Memory“ einige Beispiele geboten, wie die Vergangenheit ins Jetzt geholt werden kann. OMD stellen sich stur und kneten ihre Soundbrötchen wie vor knapp 40 Jahren.

Die gute Nachricht ist, dass Hörer der frühen Stunde Musik bekommen, die einer Zeitreise gleichkommt. Die schlechte Nachricht ist wie immer, dass Fans dafür einfach die alten Originale einwerfen können und eine höhere Qualität erhalten. Wenn „Robot Man“ und „Isotype“ eingängig aus den Boxen dröhnen, klingt das nach dem nackten Gerüst für moderne Popsongs. Der Inhalt scheint zu fehlen. Die Lieder lassen eine Seele vermissen und die kalte Magie synthetischer Klänge wirkt heute nicht mehr wie früher. Wenn OMD „What Have We Done“ singen, ist das eine durchaus berechtigte Frage. Für wen sind diese unterkühlt plastischen Töne. Nicht kühl genug, um abstrakt zu sein. Nicht kitschig genug, um große Gefühle zu wecken. „The Punishment Of Luxury“ ist eine Fingerübung ohne Ziel.

Bezeichnenderweise sind Orchestral Manoeuvres In The Dark, wie OMD in voller Länge heißen, am stärksten, wenn sie Soundscapes schaffen. Das kurze „Precision & Decay“ und das darauf folgende „As We Open, So We Close“ sind Beispiele dafür, dass hinter dem altbackenen Konzept der Band Stärken stecken. Statt diesen Stärken nachzugehen, stürzen sich OMD lieber auf vermeintliche Ohrwürmer wie „Art Eats Art“ und „Robot Man“, die noch während des ersten Hörens langweilen. Abgerundet werden diese Fehlentscheidungen mit peinlich schmierigen Balladen wie „Kiss Kiss Kiss Bang Bang Bang“ und „One More Time“. OMD beschwören den romantischen Synthie-Geist unwahrscheinlich halbherzig und pressen selbst als Stadion-Hymnen konzipierte Stücke schal und steril heraus.

OMD dürfen sich weder an der aktuellen Industrie noch an den eigenen Qualitäten messen, wenn „The Punishment Of Luxury“ gut wegkommen soll. Das neue Album ist ein Echo, das aus erfolgreichen und bahnbrechenden Zeiten ins Jahr 2017 hallt. Hier und da erahnen Hörer die Erfolge von damals, wenn „Ghost Star“ schwelgen und „Precision & Decay“ rätseln lässt. Einflüsse auf moderne Musiker sind ebenfalls klar erkennbar, erreichen aber nicht mehr die Qualität moderner Größen und der eigenen Klassiker. Dafür sind die Spuren durch die Zeit zu verwaschen und die musikalischen Puzzleteile passen nicht mehr wie früher.

Anspieltipps:

  • Ghost Star
  • Precision & Decay
  • As We Open, So We Close

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