Mr. Big - Defying Gravity - Cover
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Mr. Big Defying Gravity


  • Label: Frontiers Records
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

In sechs Tagen erschaffen Mr. Big ein solides Album mit einigen Ausreißern nach oben.

Seit ihrer Reunion 2009 nehmen sich die Herren von Mr. Big immer wieder Zeit für ihre eigenen Projekte, sodass die früher gern als Supergroup abgestempelte Band immer noch Spaß am kreativen Prozess hat. Nach dem noch etwas unausgegorenen Reunion-Album „What If...“ und dem schon etwas fokussierteren „...The Stories We Could Tell folgt nun mit „Defying Gravity“ das mittlerweile neunte Studioalbum der Band.

Fans durften aufhorchen nachdem bekannt wurde, dass Keith Elson produziert, der schon bei Großtaten wie „Lean Into It“ und „Bump Ahead“ hinter den Reglern saß. Allerdings macht direkt der Opener „Open Your Eyes“ klar, dass die Vorschusslorbeeren zu viel des Guten waren. Der Song ist cool, treffen doch Badlands auf die Stones, der Refrain ist mit einer eingängigen Hook ausgestattet und die Bridge groovt lässig vor sich hin. Der muffig-dumpfe Sound ist aber so undifferenziert und matschig, dass es schon mehr als ärgerlich ist.

Auch die guten Ansätze im Titelsong macht der Klang zunichte. Das Schlagzeug ist penetrant nach vorne gemischt und gerade hier macht Matt Starr, der den an Parkinson erkrankten Pat Torpey größtenteils ersetzt, keine besonders ausgefallene Figur und macht deutlich wie schwer es ist in die Fußstapfen seines Vorgängers zu treten. Anschließend werden leider auch die Songs schwächer. „Everybody Needs A Little Trouble“ ist allenfalls Durchschnitt, „Damn I’m In Love“ klingt beinahe so austauschbar wie Train, wäre da nicht Eric Martins Stimme. „Forever And Back“ ist schnell vergessen, während das Colleg-Rock-Riff von „She’s All Coming Back To Me“ die einzige Überraschung und haltbare im Song ist.

Auf der anderen Seite stehen allerdings auch noch Songs wie „Mean To Me“ oder „1992“. Ersteres wartet mit einem Hybrid-Picking-Riff von Paul Gilbert auf, das eine coole Stimmung in den härteren Rocker bringt. Das Gitarre-Bass-Duell von Gilbert und Billy Sheehan zeigt, dass die beiden es immer noch drauf haben und löst sich in einem furiosen Solo des Gitarristen auf. „1992“ enthält ebenfalls einige Unisono- oder Duelling-Parts, die man allerdings schon interessanter und besser von Mr. Big gehört hat. Der augenzwinkernde Text bezieht sich auf die eigene Geschichte („I was Number One in 1992“) und versprüht einen besonderen Charme. Den Abschluss des Albums macht „Be Kind“. Die soulig-bluesige Nummer hat gute Ansätze, das flotte Instrumentaloutro klingt allerdings eher wie ein Fremdkörper.

Zugegeben, der Sound vermiest den Hörgenuss schon deutlich. Trotzdem muss man festhalten, dass man von Mr. Big besseres gewohnt ist. Einige Highlights gibt es, der Rest ist Solide, nicht mehr, nicht weniger. Der Versuch der Spontanität in allen Ehren, aber vielleicht sollten sich die Herren fürs nächsten Album doch etwas mehr als sechs Tage von ihren Soloaktivitäten frei nehmen.

Anspieltipps:

  • Open Your Eyes
  • Mean To Me
  • 1992
  • Be Kind

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