Shelby Lynne & Allison Moorer - Not Dark Yet - Cover
Große Ansicht

Shelby Lynne & Allison Moorer Not Dark Yet


  • Label: Silver Cross Records
  • Laufzeit: 38 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Lynne und Moorer vereinen ihr Blut, ihre Liebe zum Country und... Nirvana. „Not Dark Yet“ ist gekonntes Handwerk.

Die Ausgangslage für „Not Dark Yet“ nimmt epische Proportionen an. Beinahe ein halbes Jahrhundert haben sich Shelby Lynne und Allison Moorer Zeit gelassen, um zusammen ein Album aufzunehmen. Ein gutes Jahr vor Shelby Lynnes 50. Geburtstag erscheint das erste gemeinsame Album der beiden Singer/Songwriter mit Country- und Folkeinschlag. Das Ergebnis ist phasenweise ein Beispiel dafür, wie Country allein durch gute Melodien charttauglich bleibt und dass die Kraft des Wortes keine Genres kennt. Mit einem geradezu schauderhaft intelligenten Nirvana-Cover des Songs „Lithium“ zeigen Lynne und Moorer, dass sie sich und andere Musiker grundlegend verstehen.

Räumen wir zu Beginn mit „Lithium“ auf. Wenn die Sängerinnen gekonnt und unbearbeitet in Kurt Cobains Fußstapfen treten, ist das ein Kniefall, den nach der knappen halben Stunde davor niemand kommen sieht. Die Geschwister transportieren Cobains Antriebsschwäche nahezu eins zu eins in ihr Genre. Das klingt von den Instrumenten her sanfter, trifft aufgrund der übertragenen Stimme der geschlagenen Protagonisten im Endeffekt aber den gleichen Ton. Jeff Tweedy, Frontmann von Wilco würde wahrscheinlich ähnliche Töne anschlagen. „Lithium“ ist nicht der beste und nicht der wichtigste Titel auf „Not Dark Yet“, aber er zeigt die Qualität der Schwestern, Stimmungen getreu zu transportieren.

Das merken Hörer direkt mit der Eröffnung „My List“. Ein Evergreen von der ersten Sekunde an, der bei jedem Hören die Gefühle des ersten Hördurchgangs von Neuem weckt. Der Opener ist mit knappen 3 Minuten ein konzentriertes Stück Singer/Songwriter-Handwerk, das alle Stärken amerikanischer Folkmusik vereint, ohne das Genre neu zu erfinden. Diese Leistung wiederholen Shelby Lynne und Allison Moorer mal eben so im Titeltrack und zu diesem Zeitpunkt bleibt Hörern die Spucke weg. In Verbindung mit gefühlt bekannten Melodien und Songstrukturen grasen die Schwestern Country („I’m Looking For Blue Eyes“) und Folk (u.a. „Lungs“) hochklassig ab. Viele Lieder klingen konventionell für die amerikanische Singer/Songwriter-Landschaft, aber viele Musiker sehnen sich danach Lieder wie „The Color Of A Cloudy Day“ überhaupt schreiben zu können.

Der schmalzige Country-Ausflug „Every Time You Leave“ und der fehlende Stempel auf einigen Liedern sind zu verschmerzen und bilden die Qualitätsgrenze für „Not Dark Yet“. Zwar ragen „My List“ und der Titeltrack heraus, aber das komplette Album lädt zu außerordentlich befriedigenden Hördurchgängen ein. Shelby Lynne und Allison Moorer ergänzen sich auf ihrem gemeinsamen Album sehr gut. Die Kooperation namens „Not Dark Yet“ hält die Verbindung und das Talent der beiden Schwestern in Liedform fest. Das klingt vielleicht romantischer, als es ist, aber wer auf gemeinsame Stücke wie „My List“ zurückblicken darf, der hat mindestens einen wunderschönen Anker im Leben.

Anspieltipps:

  • My List
  • It’s Not Dark Yet
  • The Color Of A Cloudy Day

Neue Kritiken im Genre „Americana“
Diskutiere über „Shelby Lynne & Allison Moorer“
comments powered by Disqus