Andromeda Mega Express Orchestra - Vula - Cover
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Andromeda Mega Express Orchestra Vula


  • Label: Alien Transistor
  • Laufzeit: 64 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

In Berlin brennt noch ein Licht für James Last, das vor Jazz-Infusionen nur so flackert.

Das hat das Andromeda Mega Express Orchestra mit Absicht getan. Das Berliner Ensemble aus Musikern aus allen Stilrichtungen weiß ganz genau, dass ein paar blasierte Kritiker daherkommen und ihr virtuoses Spiel aufs Korn nehmen. Zu verkopft, zu erzwungen, zu lang und nicht fokussiert genug. Musik lässt sich von außen herrlich kritisieren. Also zeigen wir es diesen Besserwissern und zwingen sie den Titel „qwetoipntv vjadfklvjieop“ richtig abzutippen. Überraschung gelungen. Das Schlimmste ist, dass „qwetoipntv vjadfklvjieop“ de facto der Song ist, der auf einer sonst ausbalancierten Jazz-Platte Kritik verdient. So verschwindet Kritik an „qwetoipntv vjadfklvjieop“ mit großer Sicherheit im Google Algorithmus, der Interessierte mit Sicherheit fragt: „stattdessen suchen nach...“

Frei nach dem Bandnamen gibt sich das Andromeda Mega Express Orchester wie ein fremder Besucher auf dieser Welt. Da mag einmancher aktuelle, politische Einflüsse hineinlesen, aber das Andromeda-Projekt ist seit Jahren darauf aus, viele Stilelemente zusammenzubringen. Die Mischung aus Jazz und Orchester-Musik ist dafür wie geschaffen. Jazz erlaubt alle Freiheiten dieser Welt, wogegen ein Orchester klare Regeln braucht. Wenn „In Light Of Turmoil“ dutzende Instrumente wild und frenetisch durcheinanderspielen, herrscht dahinter weiter eine Ordnung, die klar erkennbar ist. Sicher ist: wer keinen Jazz mag, der braucht sich gar nicht erst am Andromeda Mega Express Orchester zu versuchen.

Der Geist von James Last haftet an „Vula“. Wo Last in jedem Moment weiß, wie er das klassische Publikum umgarnt, ist das Berliner Ensemble mehr daran interessiert sich auszuleben. Das angesprochene „„qwetoipntv vjadfklvjieop“ ist bezeichnend für Orchestermusik, die allein sich selbst gefallen will. Unterstellen wir dem Orchester an dieser Stelle vorsichtig, dass das Schocken der Zuhörer gewollt provoziert ist. Zwischen Stille und Bläserausbrüchen herrschen kaum nachvollziehbare Strukturen, sodass das Zuhören zur Aufgabe mutiert. Das hat durchaus Spaß-Potenzial, ist aber auch anstrengend.

„Vula“ ist kein Album zum Nebenbeihören. Das Album erfordert eine knappe Stunde Aufmerksamkeit, um die federleichte Schönheit eines „Lakta Mata Ha“ und die Unterschiede zwischen „In Light Of Turmoil“ und „J Schleia“ zu erkennen. Gleichzeitig benötigen Hörer die Aufmerksamkeit, um gerechtfertigt Kritik an „qwetoipntv vjadfklvjieop“ zu üben. Wenn „Papaya Flyers IX Epsylon“ zu den Klängen eines feiernden Publikums endet ist klar, dass das Andromeda Mega Express Orchester unterhalten möchte. Ob sie dabei selbstverliebt oder grenzöffnend für Musikgenres agieren, liegt in den Ohren des jeweiligen Hörers. Der Berliner Zusammenschluss erfindet Jazz nicht neu, aber ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass manche Sachen ausprobiert werden müssen. Versuchen Hörer das Musikerlebnis auf „Vula“ in Worte oder Geräusche zu packen, klingt das wahrscheinlich so: „qwetoipntv vjadfklvjieop“!

Anspieltipps:

  • Lakta Mata Ha
  • In Light Of Turmoil

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