Waxahatchee - Out In The Storm - Cover
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Waxahatchee Out In The Storm


  • Label: Merge Records
  • Laufzeit: 33 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende

Die Leserwertung ist erst ab Datum der Veröffentlichung verfügbar.

Waxahatchee entschlüsseln die DNS richtig guter Rockmusik ohne die eigene Note zu verlieren.

Vor kurzem unterhielt ich mich mit einem guten Freund über das Ausbleiben guter Pop-Musik. Mit viel Glanz und Glorie bombardieren uns Miley Cyrus und Lorde zusammen mit anderen Künstlern mit fein durchdachter Musik. Doch nur weil ein Sammelsurium an Experten Songs schmiedet, ist nicht automatisch hohe Qualität vorhanden, die sich als zeitloser Song widerspiegelt. Rihanna bekommt von der Kritikerwelt gerne eine Breitseite serviert, aber „Umbrella“ bleibt im Kopf, ob Hörer das nun bescheuert finden oder nicht. Rockmusiker kapseln sich gerne von den Problemen der Pop-Welt ab, aber der Ausdruck Pop ist dehnbar und macht nicht vor Gitarrenmusik halt. Green Day bekamen das mit ihrer unsäglichen „Uno!“-„Dos!“-„Tré!“-Trilogie zu spüren und waren auf „Revolution Radio“ um Wiedergutmachung bedient.

Die Lieder, die uns in Erinnerung bleiben, sind oft nicht die komplexesten Stücke, sondern jene, die den Kern der eigenen Sache auf den Punkt treffen. So war es bei Green Day unter anderem mit „American Idiot“, so präsentierte es Torres mit ihrem fantastischen „Strange Hellos“ und Waxahatchee hat mit „Never Been Wrong“ jetzt auch so einen Song. Wer Katie Crutchfields selbstbewusste, trotzige Ader hört, die mit den Dämonen einer gescheiterten Beziehung ringt, herrscht kein Zweifel: dieses Lied bleibt. Ohne Vorwarnung umgibt den Hörer ein Sturm aus Gitarren, bevor die Geschichtenerzählerin uns ins Auge des tosenden Sturms zieht und teils gegen die Gitarren ansingt. Katie, du kannst es schaffen. Daran lassen das einfache Riff und Katies zarte, aber nie einknickende Stimme keinen Zweifel. Vom Stil her kann und darf „Never Been Wrong“ nicht jedem gefallen. Geschmäcker sind verschieden. Wer sich von den eigenen Vorlieben abkapselt und die gut drei Minuten auseinandernimmt, gibt abschließend aber zu: hier ist keine Sekunde verschwendet und alles hat seinen Platz. Kurzum: das ist ein perfekter Rocksong.

Klugerweise versuchen Waxahatchee dieses kleine Wunder nicht einfach zu wiederholen. Zwar leidet „Silver“ unter den greifbaren Parallelen zum überragenden Opener, aber ansonsten stehen die Lieder auf eigenen und gänzlich anderen Beinen. Das poppige, aber introvertiert vorgetragene „8 Ball“ ist eine wunderschöne Antithese zum lauten Opener. Ein kühles, aber von Trotz geprägtes Statement zum Weiterleben nach der Trennung ergibt eine interessante Perspektive auf ein Thema, das sonst oft beschrien oder beweint wird. Waxahatchee zeigen, dass der Mensch durchaus mehr Facetten zu bieten hat. Ohne den 90er-Rock-Sound aufzugeben, versucht sich die Band an romantischen Stadionklängen in „Recite Remorse“ und „Sparks Fly“. Ob es nun Lob oder Kritik ist, dass diese Lieder nach dem umwerfenden Auftakt lediglich gut und nicht weltbewegend sind, müssen Hörer für sich entscheiden. Andere Bands lecken sich nach souverän vorgetragenem Rock wie in „Brass Beam“ die Finger und beneiden Waxahatchee um ihre Gabe.

Mit gerade einmal 34 Minuten ist „Out In The Storm“ nicht außergewöhnlich lang. Das Album fühlt sich der kurzen Zeit zum Trotz im positiven Sinne lang an, weil die Band den Hörern viele Facetten des gleichen Gesichts zeigt. Waxahatchees Sound auf „Out In The Storm“ ist in sich schlüssig. Dass sachte „Fade“ gehört klar erkennbar zu den aufbegehrenden „No Question“ und „Never Been Wrong“. Die Band reduziert sich auf ihre Stärken und bringt diese gewinnbringend ein. Mit einem Lied für die Ewigkeit, ein paar Perlen und ohne Aussetzer präsentiert sich „Out In The Storm“ als gerechtfertigter Anwärter auf Bestenlisten und zeigt, dass gute, leicht verdauliche Musik kein Hexenwerk ist.

Anspieltipps:

  • Never Been Wrong
  • 8 Ball
  • Brass Beam

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