Everything Everything - A Fever Dream - Cover
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Everything Everything A Fever Dream


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 47 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
8.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein mit soliden bis sehr guten Songs ausgestattetes Album, dem zum großen Sprung vielleicht der eine große Hit und die alles einnehmenden Melodien fehlen.

Everything Everything aus dem englischen Manchester sind inzwischen seit zehn Jahren als Band zusammen. Ihr Debütalbum erschien im Jahr 2010 und erreichte in den heimischen Charts eine Top-20-Platzierung – und das, obwohl die Singleauskopplungen alles andere als stark performten. Dies änderte sich mit dem im Januar 2013 veröffentlichten „Arc“-Album, das selbst bis auf Platz 5 der UK-Charts kam, während die ausgekoppelten Singles erstmals in wahrnehmbaren Regionen landeten.

Der gelobte 2015er Nachfolger „Get To Heaven“ unterstrich die Ambitionen von Jonathan Higgs (Gesang, Gitarre, Keyboards), Jeremy Pritchard (Bass, Keyboards), Alex Robertshaw (Gitarre, Keyboards) und Michael Spearman (Drums), die nun mit „A Fever Dream“ ihren insgesamt vierten Streich vorlegen, der mit seinem tanzbaren Sound den Nerv der Zeit treffen soll. Dazu wurde der Electro-Pop des Quartetts diesmal von Simian Mobile Discos James Ford (Florence + The Machine, Depeche Mode, Arctic Monkeys, Birdy, Foals, Beth Ditto, Mumford & Sons) produziert, der Everything Everything in einen glitzernden Hybriden aus Dance, Wave, House und Synthie-Pop verwandelte.

Das mag schon mal grundsätzlich gefallen. Doch davor gibt es für den Hörer noch eine Hürde zu überwinden, die es Everything Everything bereits in der Vergangenheit beim Publikum schwermachte: Die anstrengende Falsettstimme von Sänger Jonathan Higgs, die auf Dauer nur schwer zu ertragen ist und so manchen Song zu einer Geduldprobe werden lässt. Da muss der Hörer dann eben durch, wenn er feine Oeuvres wie „Put me together“, „A fever dream“ oder auch „Desire“ entdecken möchte. Doch es lohnt sich.

Während dieses Trips stehen stets breitflächige Synthesizer-Melodien im Vordergrund („Night of the long knives“), die sich in progressiven Stücken wie „Ivory Tower“, bei dem eindeutig Muse als Inspiration herauszuhören sind oder nervösen Dance-Smashern wie „Can’t do“, entladen. Bei all dem elektronischen Wirken gibt es tatsächlich die eine oder andere E-Gitarre zu hören („Run the numbers“), während Everything Everything auch mit dramatischen Orchesterklängen nicht sparen und damit die mit pathetischer Stimme eingesungene Stücke „New deep“ und „White whale“ befeuern.

Das ergibt unterm Strich ein mit soliden bis sehr guten Songs ausgestattetes Album, dem zum großen Sprung vielleicht der eine große Hit und die alles einnehmenden Melodien fehlen, was die Band allerdings mit Atmosphäre und Charme locker wettmacht.

Anspieltipps:

  • Desire
  • A fever dream
  • Put me together
  • Good shot, good soldier
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