Neil Young - Hitchhiker - Cover
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Neil Young Hitchhiker


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 33 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit „Hitchhiker“ hat der gute, alte Neil ein über 40 Jahre altes Schätzchen ausgegraben.

Neil Young öffnet mal wieder seine Archive und dieses Mal hat er sich etwas Besonderes herausgesucht. Aufgenommen wurde das Album im September 1976 an einem Abend, an dem Neil Young laut Eigenaussage alle Songs hintereinander mit Akustikgitarre (respektive Klavier) und gelegentlicher Mundharmonika gespielt hat, wobei die einzigen Pausen für Erfrischungen wie Bier, Kokain oder Marihuana genutzt wurden. „Hitchhiker“ stellt eine Art verlorenes Album dar, produziert vom langjährigen Weggefährten David Briggs, welches vor „American Stars‘n Bars“ aus 1977 hätte erscheinen können.

So sind die meisten Songs bekannt, wenn auch in leicht abgeänderten Versionen. „Pocahontas“ kommt ohne spätere Overdubs aus und klingt dadurch entschlackter und irgendwie frischer, während „Powderfinger“ auch ohne den naturgewaltigen Sound der Crazy Horse bestens funktioniert. Beide Songs stammen neben „Ride My Llama“ vom Klassiker „Rust Never Sleeps“. „Captain Kennedy“ kennt man unverändert von „Hawks & Doves“, wobei man sich fragt, warum dieser Song mit seinen Blues- und Gospel-Einflüssen eher unter dem Radar im Schaffen von Neil Young läuft. Der Titelsong wurde auf „Le Noise“ veröffentlicht und geht in diesem Sound-Gewitter leider etwas unter. Die hier vorzufindende Version kommt da schon deutlich besser rüber und erinnert in gewisser Weise an Bruce Springsteens „Atlantic City“, bzw. greift diesem vor.

„Hawaii“ und „Give Me Strength“ sind die beiden bisher unveröffentlichten Songs. Bei „Hawaii“ mit seinem langgezogenen gejaulten „i“ am Ende des Refrains kann man das eventuell noch nachvollziehen, allerdings hat sich Young noch nie darum geschert, was andere über ihn denken. „Give Me Strength“ ist dann Neil Young in Reinkultur. Akustikgitarre, Stimme und Mundharmonika, mehr brauchte dieser Mann in den Siebziger Jahren nicht um Emotionen zu erzeugen. Zum Schluss setzt sich der Kanadier aber doch noch mal ans Klavier und spielt „The Old Country Waltz“ in einer Hotelbar-Version, anstatt der mit Crazy Horse entstandenen Country-Version.

Wäre „Hitchhiker“ 1976 oder 1977 erschienen würde man heute höchstwahrscheinlich von einem Klassiker in Neil Youngs Schaffen sprechen. Die Intensität, die Live-Atmosphäre und Authentizität die er allein vor dem Mikrofon erzeugt ist beachtenswert. Einige Versionen werden ungewohnt klingen, dafür aber trotz des Alters frisch. Dieses Mal hat Neil Young ein Schätzchen aus seinem Archiv gegraben.

Anspieltipps:

  • Pocahontas
  • Powderfinger
  • Captain Kennedy
  • Give Me Strength
  • Hitchhiker

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