Joan Osborne - Songs Of Bob Dylan - Cover
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Joan Osborne Songs Of Bob Dylan


  • Label: Womanly Hips Records
  • Laufzeit: 53 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Freifahrtschein für Joan Osborne: mit Bob-Dylan-Songs macht sie unmöglich etwas verkehrt, auch wenn ihre Persönlichkeit auf der Strecke bleibt.

Joan Osborne steht auf eigenen Füßen. Sie hat ausgezeichnete Hits geschrieben und gilt mit Recht als eine talentierte Liedermacherin. Mit Mitte Fünfzig ist sie sich dennoch nicht zu schade, um ein komplettes Album Bob Dylan zu widmen. Dabei klingt sie zwar wie sie selbst, aber der Schatten Dylans ist zu groß für Osborne. Das bringt Vor- und Nachteile mit sich, die in einem dennoch guten Hörerlebnis enden.

Osborne ist eine zweifellos gute Sängerin und bedient sich an Dylan’schen Großtaten. Da kann gar nichts schief gehen. „Highway 61 Revisited“ und „Quinn The Eskimo (The Mighty Quinn)“ sind zwei Beispiele für Lieder, denen der Dylan-Geruch unauslöschbar anhaftet. Joan Osborne verdammt sich gewissenhaft dazu eine Cover-Künstlerin zu sein. Diesen Liedern ist kein eigener Stempel aufzudrücken. Gerne darf auf andere Stimmlagen und Instrumente hingewiesen werden, aber am Ende setzt sich Dylans unvergleichliche Songwriter-Fähigkeit durch. Bei keinem Titel denken Hörer sich, wie Osborne hier eigene Interpretationen oder Gefühle einstreut. Sie pflegt Dylans Texte und gibt sie emotionsgetreu mit ihrer eigenen Stimme wieder.

Dass Osborne sehr darauf bedacht ist, Dylan zu würdigen lässt die gleichbleibende Stimmung des Albums erraten. „Dark Eyes“ ist das eindrücklichste Beispiel dafür, dass Osborne ein Original nachahmt und sich nicht selbst aufdrängt. Das ist für ein solches Album absolut legitim und sorgt dafür, dass sich Hörer nicht verraten fühlen. Gleichzeitig bedeutet das, dass der Mehrwert ausbleibt. Ein Dylan-Best-Of hätte gereicht, um sich den vorliegenden Eindruck zu verschaffen. Der große Gewinner des Albums ist sehr wahrscheinlich Osborne, die sich noch intensiver mit Dylan-Songs auseinandersetzte. Interessant ist für die Zukunft, inwiefern dieses Projekt die Sängerin für weitere Alben prägt und ob Sie den Dylan-Geist in Zukunft auf ihre Musik effizienter überträgt.

Bis dahin ist „Songs Of Bob Dylan“ eine Fingerübung, an der aufgrund der hohen Qualität der Originale jeder Freude hat. Das ist eine vernünftige Messlatte für ein Tribut-Album. Zwar bleibt es schade, dass Osborne sich nicht weiter aufdrängt, aber die stilsichere Wiedergabe der Titel ist auch ein Lob wert. Das Album ist angenehm zu hören und wird in Ermangelung von Dylan-Alben in der eigenen Musikbibliothek fraglos ein paar Hörrunden drehen dürfen.

Anspieltipps:

  • Highway 61 Revisited
  • Buckets Of Rain
  • Tryin’ To Get To Heaven

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