Stanton Moore - With You In Mind - Cover
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Stanton Moore With You In Mind


  • Label: Mascot Records
  • Laufzeit: 53 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Würdigung einer Legende: Stanton Moore verbeugt sich gekonnt vor dem Lebenswerk von Allen Toussaint.

Allen Toussaint ist als einflussreicher Musiker, Komponist, Arrangeur und Produzent aus der lebendigen Musik-Szene von New Orleans nicht wegzudenken. Sein Name bürgte von jeher für Qualität. Wenn er auf einer Platte genannt wird, kann davon ausgegangen werden, dass es sich lohnt, da mal rein zu hören. Geboren 1938 in New Orleans, spielte er schon mit sieben Jahren Piano und gründete mit grade mal vierzehn Jahren seine erste eigene Band. Das Talent blieb nicht verborgen und so wurde er schon 1957 als Studio-Musiker für z.B. Fats Domino gebucht. In der nächsten Zeit ergaben sich weitere Auftragskompositionen und stilprägende Produktionen. So auch „Ya Ya“ von Lee Dorsey (1961) oder Chris Kenners „Land Of 1000 Dances“ (1963), das 1966 für Wilson Pickett ein Smash-Hit wurde. Für Lee Dorsey fielen dann ab 1965 unter anderem noch die Hits „Ride Your Pony“, „Get Out Of My Life Woman“ und „Working In The Coal Mine“ ab.

Erst 1971 nahm Allen sein erstes von insgesamt zwölf Solo-Alben auf. Es folgten danach noch viele Arbeiten für andere Künstler, wie die Produktion des Dr. John-Meilensteins „In The Right Place“ (1973) oder die Gestaltung der Disco-Hymne „Lady Marmalade“ von Patti LaBelle aus 1974. Seine Vielseitigkeit war erstaunlich. So kam es 2006 sogar zu einer Zusammenarbeit mit Elvis Costello, aus der die Veröffentlichung „River In Reverse“ hervorging: Das Ergebnis klang so feinfühlig und harmonisch, als ob die Beiden schon immer zusammengearbeitet hätten. Im Jahr 2015 starb Allen Toussaint während einer Tournee in Madrid und hinterließ eine klaffende Lücke als einzigartiger Künstler und vermachte der Welt über 800 Eigenkompostionen. Zehn davon hat jetzt Stanton Moore, der Schlagzeuger der Funk-Band Galactic, der ein glühender Verehrer des kulturellen Erbes von Toussaint und seinen Nacheiferern, wie den Meters und den Neville Brothers ist, als Hommage an sein Vorbild neu belebt.

Eine Ehrung von Allen Toussaint sollte auf jeden Fall mit einem elegant swingenden und zackigen Latin-R&B-Groove verbunden sein. „Here Come The Girls“ ist in diesem Zusammenhang der nahezu perfekte Opener: Gastsänger Cyril Neville, der schon bei den Meters und natürlich auch den Neville Brothers tätig war, weiß als souveräner Soul-Sänger zu überzeugen und der Posaunist Trombone Shorty führt die Bläser-Sektion mit einem feurigen Solo an. „Life“ stellt dann Stantons Rhythmusgefühl in den Vordergrund. Die Funk-Jazz Ballade bietet den Bläsern außerdem Raum zur solistischen Entfaltung. Das bekannte Thema der New Orleans Marching-Band Jazz-Hymne „Java“ wird von einigen Improvisationseinlagen begleitet und die Bar-Jazz-Ballade „All These Things“ kann Jolanda Kiki Chapman gesanglich in der ausladenden, tiefgreifenden R&B-Tradition von Etta James („At Last“) umsetzen: Es herrscht emotionaler Ausnahmezustand. Von Trauer bis Wut wird eine weite Gefühls-Palette abgedeckt. Beim tanzbaren Funk von „Night People“ unterstützt der Saxophonist und langjährige James Brown-Begleiter Maceo Parker mit jazzig schwitzenden Tönen.

Cyril Neville rezitiert den Text beim polyrhythmisch geprägten „The Beat“ eher sprechend als singend. Trompete und Saxophon tauschen sich anschließend bei „Riverboat“ angeregt aus. Neben dieser intellektuellen Ausrichtung behält der Jazz-Track jedoch sein cooles Grundgerüst bei. Das unverwüstliche, unterschwellig brodelnde „Everything I Do Gone Be Funky“ wurde schon von etlichen Musikern wie z.B. Madeleine Peyroux, Robben Ford oder Don Covay gecovert. Diese Version reiht sich nahtlos in die Kette der gelungenen Bearbeitungen ein. Beim romantischen Instrumental-Stück „With You In My Mind“ bekommen sowohl Piano, Bass und Schlagzeug Gelegenheit, sich mit Solo-Darbietungen in den Vordergrund zu stellen. „Southern Nights“ erstaunt in einer Fassung, die zunächst befremdlich wirkt. Nach einer Lesung des Textes durch den Schauspieler Wendell Pierce („Kill The Boss“, „Selma“) wird die bekannte Melodie, mit der unter anderem Glen Campbell einen Hit hatte, aufgelöst und improvisatorisch verfremdet.

Stanton Moore ist mit „With You In Mind“ ein außerordentlich inspiriertes Album gelungen, welches den Geist der Musik von Allen Toussaint einfängt, ohne vor Ehrfurcht zu erstarren. Es zeigt einen engagierten Musiker, der sein Können in den Dienst der Kompositionen stellt und den Liedern mit Hilfe von Freunden einen angemessenen, kreativen und repräsentativen Anstrich verleiht.

Anspieltipps:

  • Here Come The Girls
  • Life
  • All These Things
  • Night People
  • Everything I Do Gone Be Funky

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